Dienstag, 1. Januar 2013

Eitt gott nýggjár!

Frohes Neues an alle zu Hause gebliebenden und alle Weltenbummler!

Der nächste Post folgt :) Und im Grunde bin ich wieder zwischen zwei Sichtweisen hin- und hergerissen. Und (wer hätte's gedacht?) es geht um's Rückblicken und Vorausschauen. Fangen wir also am besten chronologisch an :)

Seit den Feiertagen ist nicht mehr viel interessantes geschehen. Wie vermutlich überall, haben wir hier Ferien und ich habe es zu meiner Hauptaufgabe gemacht, mich an den Silvester-Rhythmus zu gewöhnen :D

Das hat auch irgendwie ganz gut geklappt. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Fragen, wie denn Silvester auf diesen einsamen, unbekannten Inseln mitten im Nordatlantik aussieht. Ob's da überhaupt so etwas ansatzweise wie Party gibt. Was ich dazu sagen kann: JA!

Der Abend begann im Haus meiner Tante, wo es erstmal das wohl färöischste Essen gab, das man sich nur vorstellen kann. Ræst kjøt (mehrere Wochen altes, abgehangenes Schafsfleisch) ist auch die erste färöische Spezialität die tatsächlich schmeckt, wie sie riecht... Anschließend (gegen 9) gab's in der Nachbarschaft einen Fackelumzug, wo auch die Jüngsten der Familie beteiligt waren. Fazit: Hier kann man einfach so ein 3-4 Meter hohes Feuer auf offener Fläche entzünden, kein Problem.

Später sind meine Gastschwester und ich wieder nach Hause (Sturmfrei), meine Gastmutter musste arbeiten und mein Gastvater hat mit der Familie gefeiert. Daher haben wir dann beide einige Freunde eingeladen, einen gemütlichen Abend gehabt, das Feuerwerk von uns aus bewundert. Unterschiede zu Deutschland: Ich glaube nicht, dass die Färinger beim Feuerwerk einkaufen von den überteuerten Preisen hier abgeschreckt werden. Zumindest hier in der Stadt wurde gut geballert. Jedoch fing das ganze bereits um 8-9 Uhr an und war um 1 Uhr nachts auch so gut wie totenstill. Übrigens hatten wir echt klasse Wetter, nur leicht bewölkt, kein Regen, kein Wind und keine eisig kalten Temperaturen.

Gegen 2 Uhr morgens sind wir dann zu einer weiteren Freundin "gerutscht" (wegen den eingefrorenen Straßen, nicht wegen der deutschen Redewendung!), weil diese Geburtstag hat(te). Gegen halb fünf hat dann aber doch die Müdigkeit gesiegt, dass ich wieder nach Hause gelaufen bin. Die eigentliche "Party" steigt übrigens eigentlich in der Stadtmitte, wo sich alles und jeder trifft. Dazu haben wir's dann aber nicht mehr geschafft, was auch nicht weiter schlimm ist :)

So, das war das Theoretische. Zu realisieren, dass wir tatsächlich das Jahr 2013 schreiben wird wohl noch dauern und mich einige Verschreiber kosten. Das Jahr, in dem mein Abenteuer angefangen hat, ist vorbei, das Abenteuer selber fängt aber gerade erst an.

Im Grunde hat meine ganze Welt sich im vergangenen Jahr geändert. Und dennoch kommt mir die Zeit hier manchmal nur wie einige Monate vor, in denen meine Haare länger geworden sind. Vielleicht, weil so vieles inzwischen einfach normal ist. Aber wenn ich ein Jahr, 365 Tage, zurückblicke, sehe ich dennoch einen völlig anderen Menschen, der dennoch meinen Namen trägt. Ich bin nicht mehr diesselbe, ich bin erwachsener geworden, mutiger, selbstbewusster, toleranter und geduldiger. Ich habe mehr gesehen und erfahren, dass ich mir einbilde, besser urteilen zu können. Schwer vorzustellen, ob ich mich genauso entwickelt hätte, wenn ich in Deutschland geblieben wäre.


Nun bin ich hier, habe beinahe die Hälfte meiner Zeit im Paradies um, blicke auf ein Jahr voller Höhen und Tiefen in voller Dankbarkeit zurück und überlege, ob ich etwas ändern würde, wenn ich könnte. Ich denke nicht, denn alle Entscheidungen, ob "falsch" oder "richtig" haben mich hierher gebracht. Und ich mag, wo ich bin.


6 Kommentare:

  1. "...Ich bin nicht mehr diesselbe, ich bin erwachsener geworden, mutiger, selbstbewusster, toleranter und geduldiger. Ich habe mehr gesehen und erfahren, dass ich mir einbilde, besser urteilen zu können. Schwer vorzustellen, ob ich mich genauso entwickelt hätte, wenn ich in Deutschland geblieben wäre..."

    Zweifelsohne nie und nimmer. Dieses, Dein Fazit war das, was ich mit "Bewunderung" gemeint hatte.

    Ach ja, das wichtigste hast Du natürlich vergessen.Der Satz in dem Radiointerview auf die Frage, was Du (bzw. Sie) gelernt habe: "Gehe nie mit einer Regenjacke aus dem Haus...." Ein solch souveränen Umgang mit einer ja doch einschneidenden Änderung der Lebensumstände sieht und hört man selbst bei vermeintlich erwachsenen eher selten. Respekt.

    Gruß und natürlich auch aus dem verregneten Westfalen ein gott nýggjár! Und túsund takk, dass wir an Deinem Abenteuer teilhaben dürfen.

    JO

    P.S. Kennst Du
    http://forum.faroe-islands.de/phpBB2/viewtopic.php?t=1749

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    1. ach ja, die Regenjacke-Geschichte. den Fehler hatte ich nämlich direkt am Anfang begannen und kam halberfroren und klitschnass zu Hause an. Ganz dem Motto, nur weil die Sonne am Morgen scheint, muss sie das nicht auch am Abend :)

      Und nein, ich kenne die Färöer-Seite nicht, werde mich aber mal genauer damit befassen :)

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  2. Hey,

    ein frohes neues Jahr.

    Auch 2013 wird viele Anregungen und Erfahrungen bereithalten.
    Leben heisst Veränderung, und wir haben den Luxus der Entscheidungsfreiheit.

    In diesem Sinne auf zu neuen Erlebnissen.

    Viele Grüße, Papa

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    1. Hehe, Frohes Neues somuleiðis!

      PS: wir müssen nochmal skypen, irgendwann "sehen" wir uns kaum noch :)

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  3. Hallo Karen, wir wünschen dir für das neue Jahr noch viele schöne Eindrücke und Erlebnisse. Viele Grüsse an deine Gastfamilie Omi

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    1. Frohes Neues euch auch! Macht euch drauf gefasst, wenn ich wieder da bin schwärme und rede ich wie ein Wasserfall! :D Grüße an alle!

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