Mittwoch, 9. Januar 2013

backstage im Teufelskreis

das Müdigkeit-Dunkelheit-Dilemma

Entgegen meiner, in den letzten Wochen angeeigneten Standard-Laune, konnte ich doch noch etwas Motivation zusammenkratzen, um etwas zu schreiben. Und das, obwohl der Tag heute echt merkwürdig war.  Angefangen hat es mit dem gehassten Aufstehen zur Schule (auch wenn ich mittwochs immer erst zur dritten habe), denn in dem Moment indem ich den menschenleeren Klassenraum betrete, fällt mir wieder ein, dass wir ich ja eigentlich heute gar keinen Unterricht gehabt hätte, weil meine Lehrerin nicht da war. Irgendwie hatte ich aber glücklicherweise meine Kamera dabei, was die Situation noch retten konnte. Daher erstmal aus dem Fenster den Sonnenaufgang (10:15 Uhr oder so) festgehalten.



Auf einem improvisierten Nachhauseweg habe ich dann noch ein paar "Sehenswürdigkeiten" abgeklappert und die Stadt mal aus anderen Blickwinkeln abgeblitzt. Ungewohnterweise hat mich die Sonne dabei auch weiterhin begleitet (Chance ist schließlich statistisch gesehen 1:7 oder so). Dass um die Uhrzeit außer mir nicht viele unterwegs waren, um mich schief anzusehen, war dann irgendwie auch nicht schlecht. :)


Aber wie gesagt ist das leider nicht Standard. Backstage, also hinter den Kulissen, bin ich nämlich in eine kleine Müdigkeit-Dunkelheit-Depression gefallen. Nichts Ernstes, Unheilbares oder so, aber etwas nervig. Im November/Dezember hat mir das wenige Licht irgendwie kaum etwas ausgemacht, vielleicht weil der Schnee, die Weihnachtstimmung und schließlich die Vorfreude auf die Feiertage ganz angenehm waren. Naja, nur haben wir im Moment 5-6° und größere Ereignisse, auf die man hinarbeiten könnte, stehen im Moment auch nicht an.
Das Problem an der ganzen Sache ist aber eigentlich, dass dieses ganze Müdigkeit-Dunkelheit-Dilemma, ein einziger Teufelskreis ist. Denn die kurzen Tage machen schläfrig, was unteranderem zu Motivatinoslosigkeit führt und wenn man dann wieder die erleuchteten Stunden des Tages verschlafen hat, wird man noch fauler und untätiger, dass das Nichtsmachen wieder müde macht. Und das einzige Heilmittel (wenn man nicht bis Juni warten will) dagegen ist, sich selbst einen Ruck zu geben und die wenigen Stunden Licht zu nutzen und in Bewegung bleiben - nur fehlt's dafür ja an Motivation.


Vielleicht habe ich mich daher heute auch nicht groß aufgeregt, als ich "umsonst" aufgestanden war.


Ein kleinen Motivationschub habe ich zudem von Harry Potter bekommen. An einem seeeehr langen, ereignislosen Tag habe ich mir nämlich die färöische Version geschnappt (die übrigens vom Onkel einer Freundin übersetzt wurde - ach, die Welt ist sooo klein hier!) und gemeinsam mit meinem Wörterbuch und (noch) leeren Vokabelheftseiten mich ans Lesen gemacht. Zwar ist die Übersetzung ziemliches "skrivtmál" also Schriftsprache, also die etwas veralteten Formen, die man eigentlich nur im schriftlichen benutzt (im Färöischen gibt's wie im Norwegischen soweit ich weiß zwei Sprachen: das Geschriebene und das Gesprochene. Meiner Meinung sollte man aber auch noch eine dritte hinzufügen: das Genuschelte - also die Aussprache), jedoch habe ich dennoch zumindest inhaltlich alles verstanden. Zwar bin ich noch ganz am Anfang, die ersten dreieinhalb DINA4 Seiten bereits mit Vokabeln gefüllt, dennoch habe ich mich wenigstens somit an den letzten Abenden nicht schlecht gefühlt, nur unnütz Rumgehangen zu haben :)

Backstage, also diesmal in meinem Kopf, beschäftige ich mich hauptsächlich mit meinem Zeitgefühl, da ich jetzt fast Halbzeit habe. Einerseits bin ich nämlich noch immer die verwirrte deutsche Austauschschülerin, die erst seit Kurzem hier ist und es gar nicht begreifen kann. Anderseits plane ich auch schon mein Leben in Deutschland weiter. Ich mache Pläne, verabrede mich mit Freunden für in sechs Monaten, als ging's um die nächste Woche.

Man sollte meinen, hier hätte man wenigstens genug Zeit zum Nachdenken, aber das stimmt nicht. Bzw. nicht genug, denn irgendwie kann man sich, glaube ich, über all das überhaupt nicht klar werden..

So Motivationslosigkeit lässt grüßen, also verabschiede ich mich mit einem Ausschnitt aus Emeli Sande's Lied, das mir in den letzten Tagen einfach nicht mehr aus den Kopf gehen will :o

"You've got the words to change a nation, but you're biting your tongue.
You've spent a lifetime stuck in silence afraid you'll say something wrong.
[...] you've got a heart as loud as lions so why let your voice be tamed?
[...] You've got the light to fight the shadows so stop hiding it away

[...] There's no need to be afraid, I will sing with you my friend
Yeah we're all wonderful, wonderful people so when did we all get so fearful?"

7 Kommentare:

  1. das besondere Normale - da wären doch auch mal ein paar Bilder von der Schule eine Idee? und was passiert so als Schulalltag, wie sind Prüfungen, in welcher Sprache eigentlich?....

    Das Besondere ist auch die Zeit - nimm dir diese und erlebe das Andere. Es gibt weniger Tageslicht, die Aktivitäten sind weniger, aber ist das schlimm? Vielleicht ist auch jetzt einmal die Zeit eine Pause einzulegen und einfach zu genießen. Das erste Halbjahr hat bestimmt auch viel Kraft und Umstellung gekostet. Und es gab noch die Vorfreude und Aufregung vor Weihnachten - dann ist es jetzt doch schön einmal bewusst die Beine hochzulegen. Auch das ist eine Erfahrung. Nicht jahrein - jahraus im gleichen Rhythmus in unserer zeitlosen Zeit. Erlebe dieses auch, es gehört dazu. Wahrscheinlich wirst du später dich auch gerne daran erinnern. Termine und Planungen kannst du im Sommer noch genug nach deine Rückkehr machen.
    In ruhigen Abendstunden.... Papa

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  2. ".....An einem seeeehr langen, ereignislosen Tag habe ich mir nämlich die färöische Version geschnappt... und gemeinsam mit meinem Wörterbuch und (noch) leeren Vokabelheftseiten mich ans Lesen gemacht..."

    Erstmal Respekt, das würde ich mir nicht zutrauen.

    Frage: Welches Wörterbuch meinst Du? Hast Du einen (kostenpflichtigen) Zugang zum Dt-färöischen Wörterbuch?`Ich nicht.

    Ansonsten gibt es ja leider nur FO-DAN und FO-ENG Wörterbücher.

    Kein komplettes Wörterbuch, aber sehr hilfreich und mit ca. 6500 Einträgen überraschend komplett (zumindest wenn man z.B. portal.fo liest) ist auch die Wörterliste von Detlef Knop vom DFF, online unter

    http://www.faeroeer.de/archiv/ordalisti.html

    Die Diskussion dazu unter

    http://forum.faroe-islands.de/phpBB2/viewtopic.php?t=1537

    und

    http://forum.faroe-islands.de/phpBB2/viewtopic.php?t=152&postdays=0&postorder=asc&start=0

    Und noch einen Tipp, falls Du es nicht schon weißt: Da die Schriftsprache Färöisch dem Isländischen ähnlich ist hift es manchmal im Google Übersetzer isländisch vorzugeben und es so zu versuchen. Zumindest weiß man worum es geht. Viele "neuere, technische Ausdrücke sind in beiden Sprachen gleich geschrieben (aber meist ganz anders ausgesprochen und gegenseitig nicht verständlich.)

    JO

    P.S.: Du hast die vierte Sprache vergessen: Im Faröischen gibt es eine noch speziellere Kindersprache als z.B.im Deutschen. Das ist aber glaube ich in allen skandinavischen Sprachen so.

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    1. also von der vierten Sprache wusste ich bis jetzt gar nichts und Wörterbuch habe ich von der Schule aus Zugriff drauf. Auf dieser Seite (http://sprotin.fo/snar/)findet man eigentlich alles - auch in andere Sprachen und in beide Richtungen. Jedoch braucht man dafür ein FirstClass-Passwort. Das ist das gängige System, mit den Lehrer und Schüler hier arbeiten. Also wo Nachrichten und Neuigkeiten über geteilt werden.. :)

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  3. Ich bin begeistert von deinen Bildern und Berichten. Mach weiter so und wenn dir wieder mal langweilig ist, wie wäre es dann mal mit etwas Wiederholung vom Unterrichtstoff der 9. Klasse? Omi

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    1. bin der gleichen Meinung - zumindest was die Bilder angeht. Jedoch ist es noch "paradischer" wenn man es jeden Tag selber (und jeden siebten bei keinem Regen) bewundern darf :) und was das letztere angeht, mache ich in den Fächern die ich hier habe ohnehin nichts anderes als Stoff nachzuholen :) Liebe Grüße übrigens!

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  4. Andreas Rupprecht14. Januar 2013 um 11:43

    Den Verweis auf das Norwegische muss ich dann ja doch mal korrigieren. Es gibt zwei Sprach(form)en, aber beide sind sowohl gesprochene wie geschriebene Sprachen.
    Das Bokmål ist aus der dänischen Amtssprache entstanden. Es gibt zwar einige konservative Formen, aber im Großen und Ganzen ist es doch recht einheitlich. In der gesprochenen Sprache gibt dann natürlich verschiedene Dialekte. Bokmål wird von ca. 80 % der Bevölkerung gesprochen.
    Das Nynorsk ist aus westnorwegischen Dialekten entstanden. Daher gibt es hier sowohl in der Grammatik wie in der Rechtschreibung verschiedene Varianten.
    Natürlich ist es wie in allen Sprachen, dass die geschriebene und die gesprochene Sprache unterschiedlich sind.

    Deine Beobachtung mit dem Schnee ist schon richtig. Schnee reflektiert das Licht, macht die Dunkelzeit also heller und wirkt damit stimulierend. (Das kann dir vielleicht mein Biologie-Bruder besser erklären.)

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    1. Upps, wusste nur noch, dass es zwei verschiedene Sprachen im Norwegischen gab. (In Mariaholm saß damals neben Mama ein Norweger mit einer roten Fliege soweit ich mich erinnern kann, der die ganze Zeit davon erzählt hat, dass er dabei ist, ein Lexikon oder etwas in die Richtung zu schreiben, wo er beide Sprachen zusammenführt :)) Und natürlich gibt's überall Unterschiede, nur ist's hier viel ausgeprägter. z.B. sagt man "øl", schreibt aber "bjór". So tiefgründig habe ich noch gar nicht über die Schnee-Dunkelheit Geschichte nachgedacht, macht aber irgendwo Sinn :D Heilsan til Noregi!

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