Vor einigen Tagen habe ich mit einer guten Freundin telefoniert und dabei haben wir auch über meine kürzliche Rückkehr auf die Färöer und vor allem meinen dazugehörigen Blogpost gesprochen. Was ihr aufgefallen und mir dabei gar nicht wirklich bewusst war: wie ich mich verändert habe und wie man es in meinem Bericht, in meiner Sprache, in meinen Bildern, in meinem Blickwinkel spüren kann.
Darüber habe ich nachgedacht und das ist zugegeben auch der Hauptgrund, warum so eine lange Zeitspanne zwischen beiden Teilen des Reiseberichtes liegt. Weil ich mir darüber klar werden muss, reflektieren, verstehen. Es ist wahr, dass es mir schwieriger fällt, diese Reise auf den Spuren meiner Vergangenheit in Worte und Bilder zu fassen. Weil jetzt alles so viel komplexer, komplizierter ist. Weil sich mein Blickwinkel verändert hat.
Aber dazu später mehr.
Zu Fuß ins Zeitalter der Wikinger
Aufmerksame Leser und/oder Leser, die meinen Blog regelmäßige verfolgt haben und zudem über ein gutes Gedächtnis verfügen, dürften viele der bereits beschriebenen und noch folgenden Touren sehr bekannt vorkommen, insbesondere die jetzt kommende. Im Übrigen die Wanderung, die ich am wohl häufigsten auf den Färöern gegangen, z.B. ganz am Anfang - und dennoch ist sie eine der schönsten.
Falls es jemand ahnt: Ja, ich meine die Tour von Tórshavn über Kongarsvegin nach Kirkjuböur.
Am Tag nach unserer Autotour sammle ich also meine Mutter erstmal morgens in Tórshavn ein (ja, ich habe verschlafen). Da ich leider nicht mehr mit den überaus umfangreichen Plänen der Busse (es gibt immerhin 5 verschiedene Buslinien in der Tórshavnar Kommune) vertraut bin, steuern wir also die Touristinformation an, trinken einen Kaffee (inoffizielles Nationalgetränk) in Vagsbotn, Innenstadt, und machen uns anschließend auf den Weg nach Argir (Stadtteil im Süden Havns). Von hier geht's los.
Vorbei an der neuen Fólkaskúla von Argir, auf's freie Feld. Ohne Wanderwege, ohne vorgeschriebene Wege. Entlang der Weite, leicht bergauf, der Horizont um uns, die Unendlichkeit vor uns, die Freiheit in uns. Bisher konnte keine Wanderung, nirgendwo auf der Welt (und ich behaupte, für mein Alter schon recht weit und gut auf der Welt rum gekommen zu sein) konnte dieses Gefühl in mir auslösen. Dieses Gefühl von Unbeschwertheit, von Lebendigkeit, als könne man alles erreichen, nichts hält einen zurück, nichts hält einen auf, als könnte ich fliegen.
Aus moosigen Wiesen und grünen Schafsweiden werden Steinwüsten und steile Anstiege. Es geht bergauf, immer weiter, hoch hinaus. Die drei gigantischen Steintürme auf dem Berggipfel kommen uns immer näher, bzw. wir ihnen. Nach den drei großen Vardar ist der Weg benannt (Kongarsvegin = Königsweg). Von Havn aus sehen die Türmchen wie eine Krone aus - und winzig klein. Aber wenn man erst mal oben ist, sein Butterbrot, was nirgendwo sonst so gut schmeckt, den Blick auf's bunte und gemütliche Tórshavn genießt, sind die Türme doch ziemlich beeindruckend hoch. 3-4 Meter würde mein mathematisch hochbegabtes Ich schätzen.
Über endlose, steinige Weiten geht's weiter. Zwischendurch Schafe, ein kleiner See, glasklares Wasser, das wir in unsere Trinkflaschen auffüllen. Menschen hingegen sehen wir nur selten. Irgendwann kommen die Ortschaft Velbastadur und die Inseln Koltur, Hestur und Sandoy in Sicht. Die Ruhe, die Weite, die Freiheit - es gibt wenig Vergleichbares auf der Welt. Und wenig Befreienderes.
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