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Freitag, 16. Oktober 2015

Auf den Spuren meiner Vergangenheit 2/2

Vor einigen Tagen habe ich mit einer guten Freundin telefoniert und dabei haben wir auch über meine kürzliche Rückkehr auf die Färöer und vor allem meinen dazugehörigen Blogpost gesprochen. Was ihr aufgefallen und mir dabei gar nicht wirklich bewusst war: wie ich mich verändert habe und wie man es in meinem Bericht, in meiner Sprache, in meinen Bildern, in meinem Blickwinkel spüren kann.

Darüber habe ich nachgedacht und das ist zugegeben auch der Hauptgrund, warum so eine lange Zeitspanne zwischen beiden Teilen des Reiseberichtes liegt. Weil ich mir darüber klar werden muss, reflektieren, verstehen. Es ist wahr, dass es mir schwieriger fällt, diese Reise auf den Spuren meiner Vergangenheit in Worte und Bilder zu fassen. Weil jetzt alles so viel komplexer, komplizierter ist. Weil sich mein Blickwinkel verändert hat.
Aber dazu später mehr.

 Zu Fuß ins Zeitalter der Wikinger

Aufmerksame Leser und/oder Leser, die meinen Blog regelmäßige verfolgt haben und zudem über ein gutes Gedächtnis verfügen, dürften viele der bereits beschriebenen und noch folgenden Touren sehr bekannt vorkommen, insbesondere die jetzt kommende. Im Übrigen die Wanderung, die ich am wohl häufigsten auf den Färöern gegangen, z.B. ganz am Anfang - und dennoch ist sie eine der schönsten.

Falls es jemand ahnt: Ja, ich meine die Tour von Tórshavn über Kongarsvegin nach Kirkjuböur.
Am Tag nach unserer Autotour sammle ich also meine Mutter erstmal morgens in Tórshavn ein (ja, ich habe verschlafen). Da ich leider nicht mehr mit den überaus umfangreichen Plänen der Busse (es gibt immerhin 5 verschiedene Buslinien in der Tórshavnar Kommune) vertraut bin, steuern wir also die Touristinformation an, trinken einen Kaffee (inoffizielles Nationalgetränk) in Vagsbotn, Innenstadt, und machen uns anschließend auf den Weg nach Argir (Stadtteil im Süden Havns).  Von hier geht's los.


Vorbei an der neuen Fólkaskúla von Argir, auf's freie Feld. Ohne Wanderwege, ohne vorgeschriebene Wege. Entlang der Weite, leicht bergauf, der Horizont um uns, die Unendlichkeit vor uns, die Freiheit in uns. Bisher konnte keine Wanderung, nirgendwo auf der Welt (und ich behaupte, für mein Alter schon recht weit und gut auf der Welt rum gekommen zu sein) konnte dieses Gefühl in mir auslösen. Dieses Gefühl von Unbeschwertheit, von Lebendigkeit, als könne man alles erreichen, nichts hält einen zurück, nichts hält einen auf, als könnte ich fliegen.

Aus moosigen Wiesen und grünen Schafsweiden werden Steinwüsten und steile Anstiege. Es geht bergauf, immer weiter, hoch hinaus. Die drei gigantischen Steintürme auf dem Berggipfel  kommen uns immer näher, bzw. wir ihnen. Nach den drei großen Vardar ist der Weg benannt (Kongarsvegin = Königsweg). Von Havn aus sehen die Türmchen wie eine Krone aus - und winzig klein. Aber wenn man erst mal oben ist, sein Butterbrot, was nirgendwo sonst so gut schmeckt, den Blick auf's bunte und gemütliche Tórshavn genießt, sind die Türme doch ziemlich beeindruckend hoch. 3-4 Meter würde mein mathematisch hochbegabtes Ich schätzen.



Entgegen unserer Info, dass dieses Jahr der schlechteste Sommer seit 70 Jahren sein sollte (was echt was zu bedeuten hat auf den Färöern!), hatten wir richtig gutes Wetter. Also richtig, richtig gut. So Sonnenbrand-im-Gesicht und Bluse-genügt-ist-ja-Hochsommer-Wetter.

Über endlose, steinige Weiten geht's weiter. Zwischendurch Schafe, ein kleiner See, glasklares Wasser, das wir in unsere Trinkflaschen auffüllen. Menschen hingegen sehen wir nur selten. Irgendwann kommen die Ortschaft Velbastadur und die Inseln Koltur, Hestur und Sandoy in Sicht. Die Ruhe, die Weite, die Freiheit - es gibt wenig Vergleichbares auf der Welt. Und wenig Befreienderes.

zum Weiterlesen hier klicken!

Donnerstag, 21. März 2013

Kartoffeln und Ostasien

und der "Frühling" und die Schule


Soo, eigentlich wollte ich schon gestern was geschrieben haben, hatte aber blöderweise mein Aufladekabel für den Laptop in der Schule liegen, das daraus nichts wurde. Naja, wenigstens bin ich so endlich mal mit dem färöischen Harry Potter weiter gekommen :)

Sonntag hat es erst mal angefangen richtig viel zu schneien, woraufhin wir erst mal prompt mehr Schnee hatten als im Winter.. Vor allem bin ich später am Tag noch nach Kollafjørður (Eysturoy, 840 Einwohner) gefahren bin, um mit einer Klassenkameradin an einem Schulprojekt zu arbeiten. Sobald man nämlich aus Havn herausfährt, liegen prompt 10cm mehr Schnee :)

Seit Dienstag scheint jedoch wieder kräftig die Sonne, und zwischen durch schneeregnet/hagelt es gerne mal. Ganz ehrlich, und ihr beschwert euch über April-wetter...

Ey, und es wird heller! Unglaublich hell! Inzwischen wache ich häufig um halb sieben (also vieeeel zu früh) auf und denke ganz panisch, ich hätte verschlafen. Grund: inzwischen ist es um die Uhrzeit so hell wie vor einem Monat noch um 9Uhr..
Also, das Schulprojekt: Das ganze heißt verkætlan ("werschkätlann) und ist eine Mischung aus Hausarbeit und Referat, an dem aber eine Woche lang ausschließlich in der Schule gearbeitet wird. Thema konnten wir frei wählen, musste nur irgendwas mit unserem ersten Kurs (also Kunst) zu tun haben. Wir haben uns für "klassische Bildkunst in Ostasien mit Fokus auf China, Korea und Japan" entschieden. Fragt nicht, wie wir darauf gekommen sind.

Auf jeden Fall ist diese Arbeit recht wichtig und muss aus einer Synopsis, einem "Tagebuch" (Dokumentation der täglichen Fortschritte), einer Präsentation und einem Produkt bestehen. Wir  haben daraufhin eine Umfrage gestartet, die, weil ich reden musste, recht peinlich war. Außerdem ist das höfliche, deutsche "wie bitte?" hier ein lautes, leicht genervtes "HAH?", was recht abschreckend wirken kann. Naja, war trotzdem irgendwie lustig :)

Für unser Produkt (drei landestypische Bilder mit Kalligraphie) haben wir außerdem Kartoffelstempel geschnitzt. War superlustig, weil das außer mir keiner kannte und wir uns deshalb hauptsächlich gegenseitig bestempelt haben. Aber das Endergebnis sieht doch trotzdem recht akzeptal aus, nicht? :)

Was mir im Laufe dieses Projektes auch noch aufgefallen ist: ich vermisse den Stress. Hier sieht man das als etwas total Schlechtes an, aber ich denke inzwischen, dass man mit ein bisschen Druck und Herausforderung viel mehr (und schneller) leisten kann. Naja, wird trotzdem irgendwie gut werden :)

Auf jeden Fall haben wir morgen unsere Präsentation und anschließend eine Woche (!) Osterferien. Achso, beste Frage der letzten Woche: "Sprichst du eigentlich fließend Deutsch?"

Samstag, 26. Januar 2013

(m)ein Fototagebuch

weil wegen das Unbeschreibliche verbildlichen

Seit der letzten Woche häufen sich nur die Fotos, die noch geteilt werden wollen. Daher werde ich versuchen nur jeweils einen kurzen Text zu schreiben und den Rest könnt ihr dann ja selbst sehen :) (für Großansicht übrigens auf ein Foto klicken)

Sonntag waren wir erst einmal in Vágar um Sára, meine älteste Gastschwester vom Flughafen abzuholen, die mit ihrem Studium fertig ist und hier einige Monate arbeitet, um im Sommer für drei Monate durch die Welt zu reisen. Bei der Gelegenheit habe ich erst mal den unglaublich großen Flughafen abgeblitzt.

Weil Sára über Weihnachten in Frankreich war und somit alle färöischen Tradition verpasst hat, habe wir Montagabend noch einmal Jólaftan (Heiligabend) nachgestellt. Es gab wieder kiloweise Geflügel, karamelistierte Kartoffeln, Milchreis mit Mandel (diesmal hatte ich sie nicht), usw.

 An Dienstag kann ich mich gerade nicht mehr erinnern, aber seit Mittwoch scheint die Sonne, was die Erwähnung durchaus wert ist. Daher bin ich nachmittags auch noch einmal durch die Weltgeschichte gepilgert und habe Fotos gemacht. Die ersten sind übrigens aus dem Fenster gegen halb zehn aufgenommen worden :)





































Okay, ich erinnere mich doch wieder an Dienstag. Da waren wir nämlich mit der halben Kunstklasse (also mit zehn Leuten) Wandern. Mit den Bus sind wir nach Argir gefahren, was zu Tórshavn gehört und von da aus die Berge bestiegen. Kamera hatte ich natürlich vergessen, aber meine Lehrerin hatte ihr Ipad dabei. Als wir aufgrund von Schnee nicht mehr weiter nach oben kamen, haben wir ganze fünf Minuten gezeichnet, bis es zu kalt wurde und wir uns wieder an den Abstieg gemacht haben :)


Donnerstags habe ich immer nach der Schule noch einen Kunst/Zeichenkurs, mit dem wir letztes Mal ins färöische Kunstmuseum war. Das faszinierende dabei ist, dass man an fast allen Bilder (wie auch Musik, Gedichten, usw.) den Einfluss der Inseln erkennen kann. Fast alles ist grünbraun oder blaugrau. Diese achtzehn, geheimnisvollen Inseln im Nordatlantik haben tatsächlich etwas Inspirierendes an sich..


Bekannte Künstler sind übrigens Edward Fuglø oder Sámal Mikines. Beide sind auch auf den Fotos vertreten, Fuglø hat beispielsweise das große Bild mit den vielen "Sulas" (deutsch: großer Bassstöpel) oder den Schlafsack gemalt. Mikines (recht lustig übrigens, zwei Inseln hier heißen Mykines und Fugloy..) unteranderem die letzten beiden.












Anschließend bin ich durch den totenstillen, menschenleeren Park (mit Bäumen!) nach Hause gelaufen. Färinger finden die Stille hier befreiend, ich eher beängstigend. Aber naja, ich hatte ja meine Kamera dabei und der Mond schien so schön, deshalb habe ich gleich noch ein paar Bilder gemacht.







Ein weiterer kleiner Sprung zurück: Donnerstag hatte icuh in der Schule ebenfalls meine Kamera dabei, weshalb ich erst einmal alles mögliche (endlich, Papa) festgehalten habe. Dabei war's gar nicht so einfach einen passenden Moment festzuhalten, wo ich nicht von allen angestarrt wurde.













Das Schulgebäude beherbergt drei "Schulen". Irgendwelche kleinen Kinder, einmal die 8-9. Klasse und Nam x, also die zehnte. Letztere umfasst etwa 150 Schüler.





Häufig werden die Pausen auch genutzt, um zu einem kleinen Laden zu pilgern, der einige Straßen entfernt liegt. Wegen guter Laune und Sonnenschein habe ich das also gleich auch noch festgehalten.














So, ich glaube das war genug. Macht euch jedoch auf mehr gefasst - das Wochenende war nicht nur richtig schön, sondern auch sehr belastend für die Speicherkarte meiner Kamera. Ein Bericht folgt in den nächsten Tagen! :)