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Freitag, 16. Oktober 2015

Auf den Spuren meiner Vergangenheit 2/2

Vor einigen Tagen habe ich mit einer guten Freundin telefoniert und dabei haben wir auch über meine kürzliche Rückkehr auf die Färöer und vor allem meinen dazugehörigen Blogpost gesprochen. Was ihr aufgefallen und mir dabei gar nicht wirklich bewusst war: wie ich mich verändert habe und wie man es in meinem Bericht, in meiner Sprache, in meinen Bildern, in meinem Blickwinkel spüren kann.

Darüber habe ich nachgedacht und das ist zugegeben auch der Hauptgrund, warum so eine lange Zeitspanne zwischen beiden Teilen des Reiseberichtes liegt. Weil ich mir darüber klar werden muss, reflektieren, verstehen. Es ist wahr, dass es mir schwieriger fällt, diese Reise auf den Spuren meiner Vergangenheit in Worte und Bilder zu fassen. Weil jetzt alles so viel komplexer, komplizierter ist. Weil sich mein Blickwinkel verändert hat.
Aber dazu später mehr.

 Zu Fuß ins Zeitalter der Wikinger

Aufmerksame Leser und/oder Leser, die meinen Blog regelmäßige verfolgt haben und zudem über ein gutes Gedächtnis verfügen, dürften viele der bereits beschriebenen und noch folgenden Touren sehr bekannt vorkommen, insbesondere die jetzt kommende. Im Übrigen die Wanderung, die ich am wohl häufigsten auf den Färöern gegangen, z.B. ganz am Anfang - und dennoch ist sie eine der schönsten.

Falls es jemand ahnt: Ja, ich meine die Tour von Tórshavn über Kongarsvegin nach Kirkjuböur.
Am Tag nach unserer Autotour sammle ich also meine Mutter erstmal morgens in Tórshavn ein (ja, ich habe verschlafen). Da ich leider nicht mehr mit den überaus umfangreichen Plänen der Busse (es gibt immerhin 5 verschiedene Buslinien in der Tórshavnar Kommune) vertraut bin, steuern wir also die Touristinformation an, trinken einen Kaffee (inoffizielles Nationalgetränk) in Vagsbotn, Innenstadt, und machen uns anschließend auf den Weg nach Argir (Stadtteil im Süden Havns).  Von hier geht's los.


Vorbei an der neuen Fólkaskúla von Argir, auf's freie Feld. Ohne Wanderwege, ohne vorgeschriebene Wege. Entlang der Weite, leicht bergauf, der Horizont um uns, die Unendlichkeit vor uns, die Freiheit in uns. Bisher konnte keine Wanderung, nirgendwo auf der Welt (und ich behaupte, für mein Alter schon recht weit und gut auf der Welt rum gekommen zu sein) konnte dieses Gefühl in mir auslösen. Dieses Gefühl von Unbeschwertheit, von Lebendigkeit, als könne man alles erreichen, nichts hält einen zurück, nichts hält einen auf, als könnte ich fliegen.

Aus moosigen Wiesen und grünen Schafsweiden werden Steinwüsten und steile Anstiege. Es geht bergauf, immer weiter, hoch hinaus. Die drei gigantischen Steintürme auf dem Berggipfel  kommen uns immer näher, bzw. wir ihnen. Nach den drei großen Vardar ist der Weg benannt (Kongarsvegin = Königsweg). Von Havn aus sehen die Türmchen wie eine Krone aus - und winzig klein. Aber wenn man erst mal oben ist, sein Butterbrot, was nirgendwo sonst so gut schmeckt, den Blick auf's bunte und gemütliche Tórshavn genießt, sind die Türme doch ziemlich beeindruckend hoch. 3-4 Meter würde mein mathematisch hochbegabtes Ich schätzen.



Entgegen unserer Info, dass dieses Jahr der schlechteste Sommer seit 70 Jahren sein sollte (was echt was zu bedeuten hat auf den Färöern!), hatten wir richtig gutes Wetter. Also richtig, richtig gut. So Sonnenbrand-im-Gesicht und Bluse-genügt-ist-ja-Hochsommer-Wetter.

Über endlose, steinige Weiten geht's weiter. Zwischendurch Schafe, ein kleiner See, glasklares Wasser, das wir in unsere Trinkflaschen auffüllen. Menschen hingegen sehen wir nur selten. Irgendwann kommen die Ortschaft Velbastadur und die Inseln Koltur, Hestur und Sandoy in Sicht. Die Ruhe, die Weite, die Freiheit - es gibt wenig Vergleichbares auf der Welt. Und wenig Befreienderes.

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Sonntag, 16. August 2015

Auf den Spuren meiner Vergangenheit 1/2


Liebe Bloggemeinschaft,

vielleicht hat's der Ein oder Andere mitbekommen, aber hier noch einmal offiziell: Ich war wieder da. Zuhause. Färöer.

Es ist viel passiert. Es sind schließlich mehr als zwei Jahre vergangen seit ich die Färöer verlassen habe. Seit mein Jahr als Austauschschülerin vorbei ist. In der Zwischenzeit habe ich mein Abi gemacht - das hat wohl den größten Teil meiner Zeit eingefordert. Doch trotz meines durchaus deutschen Alltages habe ich es geschafft, dass die Färöer noch immer ein aktiver Teil von mir sind. Sei es in meiner Facharbeit in der 11. Klasse (Fach: Erdkunde, Thema: Das Tourismuspotenzial der Färöer hinsichtlich der Entwicklung und Nachhaltigkeit) oder als AFS-Betreuerin für die Nordeuropa-Vorbereitung, also für alle zukünftigen Austauschschüler*innen, die das Glück haben in eines der nordischen Länder zu gehen.


In diesem Blogeintrag möchte ich euch aber von meiner Reise erzählen. Die zwei Wochen Färöer. Auf den Spuren meiner Vergangenheit.
(Vorwarnung: Es wird lang!)

Auf dem 'Land'weg auf die Färöer


Wir haben kein Auto. Meine Mutter und ich. Das ist auch nicht schlimm, weil wir das bei uns im gut vernetzen Rheinland einfach nicht brauchen. Normalerweise fahren wir mit dem Fahrrad - aber auf die Färöer? So sportlich sind wir dann doch nicht (ganz zu schweigen von den dafür notwendigen Urlaubstagen). Aber trotzdem, meine Mutter und ich haben uns irgendwie in den Kopf gesetzt, nicht fliegen zu wollen. Das hat zwei Hauptgründe:
  • wir mögen lange Anreisen. Heutzutage ist alles so schnell, so stressig. Es muss jetzt sofort geschehen. Man steigt in ein Flugzeug und ist dann zwei Stunden später an einem völlig neuen Ort - der Kopf aber häufig noch nicht. Aber wenn man langsam fährt, dafür vielleicht umständlich, wenn man sich Zeit lässt - dann kommt man auch an. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
  • Wir mögen Schiffe.
Also schnell beschlossene Sache: der Fernbus fährt von Köln nach Aalborg (Dänemark). Ja, man hätte auch mit dem Zug fahren können, aber dann wären wir merkwürdigerweise immer über Berlin und Kopenhagen geleitet worden. So umständlich wollten wir dann doch nicht fahren. Daher: 19. Juli, 6 Uhr morgens geht's los. 15 Stunden später erreichen wir Aalborg. Es regnet, wir finden unsere Zimmer, trinken einen heißen Tee und sind glücklich.


Der nächste Tag: wir erkunden Aalborg. Bei Sonnenschein. Eine nette Stadt. Dänisch, authentisch.

Am Tag darauf geht's mit dem Zug weiter nach Hirtshals. Umsteigen in die Bimmelbahn. Es regnet wieder. Ein Bus bringt uns, unsere Taschen und zwei Rucksäcke (eigentlich ganz schön viel Gepäck für zwei Wochen, wenn man drüber nachdenkt) direkt zum Fährhafen. Wir warten, während die Fähre nach Stavanger ablegt und wenig später die Norröna einfährt. Wir kommen mit einigen anderen Passagieren ins Gespräch. Viele kommen aus Deutschland, viele wollen mit ihren robusten Geländewagen nach Island. Ich schwärme von den Färöern, gebe Reisetipps für die, die es hören wollen und für die, die tatsächlich auch auf die Färöer fahren.


An Bord lesen wir hauptsächlich. Essen, leihen uns das Quirkle-Spiel (sehr empfehlenswert!) der Nachbarn aus, sonnen uns, genießen die Weiten des Meeres, machen Fotos (ich), kommen an. Ganz langsam, ein bisschen umständlich. Aber als der erste Sula (Basstöpel) an unserem Fenster vorbeigleitet, weiß ich, dass es nicht mehr weit ist. Und dass ich bereit bin. Dass ich hier bin. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
"Eg biði teg. Vak nú meg. Leið nú meg. Heim til tín."- Jón Aldara / Vráin, Hamferð
deutsch: "Ich bitte dich. Wecke jetzt mich. Leite jetzt mich. Nach Hause zu dir."

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Freitag, 5. Juli 2013

das Beste zum Schluss

Schulabschluss und Abschied

ich bin wieder da! und lebe noch - wenn auch mit gebrochenem Herzen, dazu aber später. Erstmal erzähle ich noch, wie mein wundergeilschönes Jahr Färöer zu Ende gegangen ist.

Zunächst war Donnerstagmittag meine Schulabschlussfeier. Eine richtige Feier hat man eigentlich nur nach der Fólkaskúli (9.Klasse) und wenn man mit der Oberschule fertig ist (nach der 13.), weil meine Schule (10. Klasse) nur ein Jahr umfasst, musste das aber auch irgendwie gewürdigt werden.

Das ganze war total schön, weil eigentlich alle Mädchen die Tracht anhatten (und zwei Jungen). Ich habe eine von meiner Oma bekommen. Ein Glück, dass die mir gepasst hat. Mit diesen traditionellen Kleidern (im Gesamtwert von gut 10000€) habe ich mich einfach so unglaublich gut gefühlt - und patriotisch. Komisch, aber am letzten Tag habe ich mich auch am färöischsten gefühlt.

Zunächst haben wir noch ein offzielles Foto gemacht, dann ging's in den Schulaula. Die Schulband (die wirklich gut ist), haben gespielt, der Direktor und eine ausgewählte Schülerin haben Reden gehalten und - Überraschung! - ich habe auch eine kurze Ansage gehalten, von der aber nur drei Leute vorher wussten.

Anschließend wurden die Zeugnisse übergeben, Klassenfotos gemacht. Danach mehr Fotos, Kuchen, liebe Worte, Gratulationen, Umarmungen, Tränen. Zu Hause haben wir Familienfotos gemacht und das ganze Essen vorbereitet. Etwas später kamen dann alle meine Freunde und Verwandte, es wurden Geschenke überreicht, noch mehr geredet, umarmt und geweint (allen voran ich).

Spät abends, als ich innerlich mich gerade damit abgefunden hatte, dass dieses Jahr jetzt vorbei ist, kam dann die Infos vom Flughafen: durch dichten Nebel war es zu Verzögerungen gekommen und ich hatte somit einen weiteren Tag "geschenkt".

Ich also einen zweiten letzten Tag, was gar nicht sooo schlimm war, weil ich dann alles in Ruhe fertig machen konnte. Blöd nur, dass meine Eltern arbeiten mussten und meine Gastschwester mich also alleine zum Flughafen gebracht. Dort kam noch mal eine zusätzliche Stunde Verspätung auf mich zu und irgendwann nach vielen Tränen und Kilometern bin ich dann spätabends in Kopenhagen gelandet, wo's tatsächlich dunkel war!

Rechts gibt es im übrigen jetzt die Möglichkeit, eure Emailadresse einzutragen, dass ihr über jeden neuen Post eine Nachricht erhaltet. Es kann nämlich gut sein, dass zwischen den einzelnen teilweise viel Zeit dazwischen liegen wird.

Ich übersetze zum Schluss noch einmal kurz meine Worte (die auf Deutsch aber nicht so gut funktionieren...), die ich vor einer gefüllten Turnhalle gesagt habe:



"ich erinnere mich gut an meinen ersten Schultag hier. Ich saß hier, fast wie ein Tourist in einer knallroten Regenjacke, verstand nicht ein einziges Wort und kannte niemanden. Doch über das Jahr hinweg hat sich alles verändert. Und nun stehe ich hier - in der Nationaltracht und traurig darüber, dass ich morgen früh wieder fahren muss.
Und wenn ich etwas in den letzten elf Monaten gelernt habe, dann ist es mich zu bedanken.
Ich hatte ein ganz fantastisches Jahr hier in Nám X (meine Schule). Ich möchte mich bei meinen Lehren bedanken, die sich immer die Zeit genommen haben, mir zuzuhören. Insbesondere Lydia, die mir mit der Sprache geholfen hat. Danke dafür!
Auch möchte ich mich bei meinen Freunden bedanken. Ich bin so froh euch zu haben und habe mich bei euch immer willkommen gefühlt. Ich freue mich bereits, zurückzukommen und euch wiederzusehen. Tausend Dank!
Ich möchte mich aber auch bei meiner Gastfamilie bedanken. Ich bin schlichtweg so glücklich, dass ich ein Teil eurer Familie sein konnte und ihr jetzt ein Teil meines Lebens seid. Ich liebe euch und werde euch so sehr vermissen. Danke für alles!
Danke an Nám X für das beste Jahr meines Lebens. Auf Wiedersehen, Färöer!"


Dienstag, 11. Juni 2013

#dreihundertzwölf

 Abschlussprüfungen und inoffizielle Sommerferien


So, jetzt (endlich) doch noch was! Zwar werden die Tage immer weniger (und heller), aber ich habe dennoch noch einiges zu berichten. So irgendwie. Daher habe ich mir jetzt mal vorgenommen, wieder ein wenig mehr zu schreiben.

In den letzten Wochen hatte ich hauptsächlich frei, weil gerade Abschlussprüfungen geschrieben werden. Prüfungen erinnern mich ein wenig an Harry Potter, wo alle in der großen Halle (bei uns Turnhalle) mit einem Einzeltisch sitzen und schreiben.

Färinger und das färöische Bildungssystem halten nicht viel von Stress und Schüler-unter-Druck-setzen-um-bessere-Ergebnisse-zu-erzielen. Daher sitzt man vier Stunden mit Laptop (aber mit eingeschränktem Internet) oder eben mit Papier, Stift und Taschenrechner, wie etwa in Mathe, herum. Achso, und komischerweise haben alle haufenweise zu essen mit. Dass mir die schriftlichen Prüfungen recht einfach gefallen sind, lag wohl am langem Zeitraum, zum anderen aber auch an den Hilfsmitteln. In Mathe darf man z.B. noch ein Formelbuch, in Sprachen Wörterbücher benutzen.

Zudem gibt es noch mündliche Prüfungen. Meine Färöische war gestern, lief eigentlich ganz gut, (wenn man bedenkt, dass ich einen von zwei Texten, die ich analysieren sollte, nicht kannte) und ich bin mit meiner 8 (vergleichweise deutsche 2-3) völlig zufrieden. War ja immerhin auf färöisch. Mathe ist Freitag und dann habe ich auch richtige Sommerferien.

In der Zeit dazwischen hat man "lesafrí", also frei um sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Naja, ich mach das eher halbherzig. Stattdessen hake ich to-do-Liste weiter ab und treffe mich hauptsächlich mit Freunden. Freitagabend war z.B. in Havn Mentanarnáttin ("Kulturnacht"), wo alles irgendwie Tag der offenen Tür hatte und es in der ganzen Stadt verteilt verschiedene Aufführungen und Konzerte gab.

Das Wochenende habe ich dann mit zwei Schulfreundinnen in Leynar verbracht. Das war mega "hugnaligt"und im Grunde haben wir hauptsächlich gegessen (aber richtig gesund!) und zum Ausgleich sind wir dann auch noch die gut 8km über Berg und Tal nach Kollafjørdur zurückgelaufen.


Bilder sind diverse Himmel/Wetterbesonderheiten der letzten Wochen :)

Ansonsten habe ich noch eine super Seite eines dänischen Mädchens gefunden, die Comics über Klischees und akutelle Ereignisse zeichnet. Ist ganz spannend und vor allem wahr. Zum Beispiel über die Deutschen und ihre Flagge (in Skandinavien wird die ständig benutzt) oder über die färöisch-dänische Beziehung :)

Mittwoch, 5. Juni 2013

die ersten letzten Male

Sommer in Tórshavn





Irgendwie ist schon wieder so viel Zeit seit dem letzten Post vergangen. Unglaublich.

Ebenso unglaublich ist, dass seit meinem letzten Eintrag sich alles Mögliche verändert hat. Nur das Wetter nicht. Wir haben noch immer blauen Himmel (wobei's inzwischen ein bisschenn zugezogen ist) und Temperaturen bis 20°C, was bei Windstille jedoch sich deutlich heißer anfühlen kann :)

Glücklicherweise ist inzwischen mein Sonnenbrand auch wieder abgekühlt, wobei ich noch immer recht tomatig aussehe, und kann auch wieder problemlos schlafen. Wobei problemlos relativ ist, weil es im Moment eigentlich nicht mehr dunkel wird. So um zwei Uhr morgens ist zwar von der Sonne nichts mehr zu sehen, mehr als dunkelbläulich wird der Himmel dennoch nicht.

Eine neue Eigenschaft des Wetters durfte ich die letzten Tage auch immer mal wieder kennenlernen: Pállamjørki. Zu deutsch ungefähr "kriechender Nebel". Dieser Nebel sieht wie eine Wolke aus, die tief über dem Boden hängt und sich ganz schleichend bewegt. Erinnert mich immer ein bisschen an die Szene mit den grünen Soldaten aus'm dritten Teil von Herr der Ringe, wenn ihr wisst, was ich meine :)

Das coole ist vor allem, wenn der Nebel (und das passiert häufig) das gesamte Meer bedeckt. Von unserem Haus aus kann man z.b. Nólsoy (Insel) sehen, was dann total cool aussieht, wenn das Dorf und Berge so im Nebel schwimmen.

Apropos Nólsoy. Hier war ich nämlich am vergangenen Wochenende mit AFS. Die haben ein Camp für die 20 (!) zukünftigen Austauschschüler veranstaltet, wo wie 2 (!) Austauschschüler miteingeladen waren.

Zwar gab's für uns nicht wirklich was "Neues" zu entdecken, weil wir einfach momentan in einem ganz anderen Stadius sind und die Spiele, die zur Vorbereitung gemacht werden, international sind, dass ich eigentlich alles schon aus Deutschland vom Vorjahr kannte.

War aber trotzdem ganz nett, so viele nette Leute kennenzulernen, über Hoffnungen und Realitäten, Gastfamilien und Erwartungen, Färöer und Deutschland zu reden. Nur die Frage: "Was machst du, wenn du wieder zurück bist, freust du dich nachhause zu kommen?", hat mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht.

Ich bin doch noch hier, oder? ganze vier Wochen, oder? Ich meine, in einem Monat kann man viel erreichen. Aber gleichzeitig ist es auch gar nichts. Daher bin ich jeztt am Nachdenken und Grübeln, was ich noch unbedingt machen muss und will, und wie ich meine übrige Zeit am sinnvollsten verbringe. Weil Sommer auf den Färöern ist echt wunderschön. Und erlebenswert. Das scheinen wohl auch die Massen von Touristen inzwischen herausgefunden zu haben, die inzwischen wöchentlich bis täglich mit großen Kreuzfahrtschiff die Stadt belagern.

Und ich weiß, dass ich traurig sein werde, dieses Ländchen verlassen zu müssen, das mir auch jetzt noch, Tag für Tag mehr ans Herz wächst. Aber ja, ich freue mich auch auf Deutschland :)

Mittwoch, 29. Mai 2013

36° und es geht noch heißer

Karen lebt noch


Eigentlich hasse ich ja Nachrichten, Briefe, Einträge die inhaltlich mit "Tut mir leid, dass ich solange nicht mehr geschrieben habe..." beginnen. Um nicht auch dazu zu gehören, dachte ich mir, ich entschuldige mich einfach nicht. Und ja, irgendwie habe ich die letzten Tagen auch ein bisschen nach Ausreden gesucht, warum ich ausgerechnet heute NICHT schreibe, aber heute hatte ich wirklich eine 100% verzeihbare Entschuldigung.

Seit Montag habe ich irgendwie schulfrei. Und irgendwie Abschlussprüfungen. Diese (in Mathe und Färöisch) jedoch nur Montag und morgen, weshalb ich mehr nichts mache als hart zu arbeiten. Geplant hatte ich für diese Tage dazwischen nicht. Kann man hier auch gar nicht.

Heute morgen bin ich dann von der Wärme aufgewacht, weil's hier keine Rolläden gibt und dann sammelt sich die ganze stickige Luft drinnen. Wenig später saß ich dann selber draußen gemütlich mit Mathebüchern (husthust) und in Top und kurzer Hose - zum ersten Mal in zehn Monaten!

Irgendwie habe ich dort dann auch den Rest des Tages verbracht, wobei ich Matheformeln irgendwann gegen meinen isländischen Wälzer (deutsche Übersetzung) ausgetauscht habe. Sonst lese ich das Buch, dass aber auch ein bisschen anstrengend ist, ganz gerne. Der düstere, depremierende isländische Winter wohlte mit den 20° dann aber irgendwie nicht ganz harmonieren.

Im Übrigen sind das echt Rekordtemperaturen. Im Hochsommer wird's mit Glück bis zu 16-17° und das ist schon heiß. Leider habe ich die färöische Sonne etwas unterschätzt. Als wir dann später gegrillt haben - zum ersten Mal in 10 Monaten! - habe ich meine knallrote Haut erstmal unter langer Kleidung versteckt und mich in den Schatten verkrümelt.

Jetzt bin ich heiß und kalt und mir ist kalt und heiß und ich hoffe, der Sonnenbrand wird morgen nicht allzu sehr schmerzen. Schließlich "will" ich ja noch eine Mathearbeit schreiben. Ansonsten hat heute mein letzter Monat begonnen. Ein total komisches und auch unangenehmes Gefühl. Ich denke automatisch über Flugzeiten und Gewichtsbegrenzungen nach, bereite mein Leben in Deutschland vor und habe gleichzeitig erst gerade richtig mit Leben hier angefangen.

Mir ist es auch schon passiert, dass wenn ich zu einer Freundin schreibe "ich fahre vielleicht am Wochenende weg" ein entsetzes "nein, du darfst noch nicht zurück nach Deutschland fahren" folgt. Komisch, diese Zeit. War es nicht erst gestern, dass ich angefangen habe färöisch zu reden? War es nicht erst gestern, dass es selbst in Winterjacke noch unangenehm und verregnet und neblig war?


Bilder sind noch aus Suduroy (ich liebe Bootshäuser!), als auch mal die Sonne geschienen hat. Außerdem kann ich euch noch ein Lyricsvideo anbieten, dass wir mit der Kunstklasse gemacht haben und wer es noch nicht gesehen hat, ich habe oben eine weitere Seite hinzugefügt. Für Informationen zum Gastfamilienprogramm hier klicken! :)

Donnerstag, 16. Mai 2013

(m)ein Austausch im Austausch

Meine Wechselwoche in Sumba, Suðuroy


So, inzwischen bin ich bei einer anderen Gastfamilie in Sumba, dem suedlichsten Dorf auf den Faeroern, gelandet. Was glaube ich keiner (ich zuvor auch nicht) denkt, wie unterschiedlich die Kultur innerhalb des Landes sein kann. Zum Beispiel gibt es vier grosse Dialekte, aber eigentlich kein richtiges "Hochfaeroeisch". Und ratet, wo's den groessten und "schlimmsten" Dialekt gibt? Genau, mal wieder im Sueden...

So wird nógv (viel) beispielsweise "nogf" ("negf" in Havn), svangur (hungrig) wird zu "svongur" ("svængur"). Generell wird Suðuroy auch gerne "Klein-Dænemark" genannt. Grund: die dænische Sprache zeigt hier schlichtweg viel groessere Einfluesse. Zum Glueck verstehe ich dænisch inzwischen recht gut; hauptsæchlich weil's einfach eine Mischung aus Færøisch und Deutsch nur ohne Grammatik ist :)

ein Klassenzimmer
In Sumba lebe ich zusammen mit zwei Gasteltern und einer Gastschwester, mit der ich auch zur Schule mitgehe. Gudbjørg geht in die zweite Klasse der Oberschule (vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe). Die Schule (drei Jahrgænge) besteht aus 100 Schuelern á 6 Klassen. In der 2.a sind die 12 Schueler zwischen 17-25 alt und ebenso unterschiedlich.


Schuelerzeichnung "franzoesische Revolution"


Es gibt den Heavy-Metal-Jungen, die Schlaue, die Saengerin, einen Musiker, der sechs Jahre durch Schweden getourt ist, eine junge Mutter und eine, die es bald sein wird. In diese sehr gemischte Gruppe passt "die Deutsche" natuerlich gut rein. Generell ist mir hier aufgefallen, dass Menschen viel toleranter und weit weniger wæhlerrisch sind. Vielleicht muss man das auch sein, wenn man in allem sehr beschrænkt ist.

In Sumba wohnen etwa 200 Menschen. Und tatsaechlich ist es so klein, dass ich  bereits am zweiten Tag durch's Dorf auf Bekannte stosse. So klein, dass 18 Kinder hier in die Schule gehen. So klein, dass im Supermarkt, der im Dezember letzten Jahres aufgemacht hat, der Abstand zwischen Tiefkuhltruhe und Regal exakt ein Einkaufswagen und nicht mehr passt.

Das Leben in (oder auf?) Suðuroy ist im Vergleich zu dem Hauptstadtleben recht laendlich. Jedoch ist man hier gleichzeitig auch sehr stolz drauf. "Wir fangen unseren Fisch noch selbst!" Fast jeder im Dorf besitzt Schafe, ein Boot und viele sogar einen Gelaendewagen (der sich auch zum Schafstransport eignet) :)


Das schoene am Mai ist vorallem, dass es inzwischen wærmer ist (um die 10 Grad an manchen Tagen), das Gras ist viel gruener und alle Schafe haben Læmmer, was bedeutet, dass jetzt wirklich ueberall Schafe sind. Macht aber nichts. Und es gibt nichts suesseres als so hopsende (dafuer gibt's meines Wissens auch einen Ausdruck, habe ich aber vergessen) und mæhende Læmmer :)