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Sonntag, 12. Mai 2013

Home Sweet Home

isländisches Parlament

Rückkehr ins Paradies

Langsam fange ich an zu glauben, dass aus den 30000 Seitenaufrufen bis Ende des Auslandsjahres doch noch was werden könnte. Und weil ich alleine schon seit Anfang Mai über 1500 Aufrufe bekommen habe und es ja nur mitten in der Nacht ist und mein Koffer auch gar nicht gepackt werden möchte, schreibe ich jetzt doch noch was.
Jón Sigurðsson, Nationalheld


Also ja, vielleicht habt ihr's inzwischen mitbekommen: ich bin wieder zuhause! Und es fühlt sich so gut an. Ich bin wirklich gespannt, wie es zurück in Deutschland werden soll. Ich fühle, ich kann nicht mehr ohne leben. Nicht ohne Färöer. Wer einmal im Paradies war, will nicht mehr weg. So stelle ich mir den Himmel vor.


Ich dachte mir, ich beschreibe mal, was ich in den zwei einhalb Wochen in Island eigentlich gemacht habe, wenn ich nicht gerade klischeehafter Tourist gespielt habe. Die Kurzantwort: Ich habe mich an das Leben der anderen Austauschschüler angepasst. Hier aber noch ein paar Details:


Ohne Sara und Elli, die beiden deutschen Austauschschüler auf Island, wäre ich verloren gewesen. Aber es war super, wie toll die beiden mich aufgenommen haben. Ich war mit bei der Isländischstunde, die darin geendet ist, dass wir die neue Wohnung der Isländischlehrerin gestrichen haben.


Ich habe den Geburtstag einer schweizerischen Austauschschülerin mitgefeiert, die ich vorher noch nie in meinem Leben gesehen habe. Kann auch sein, dass irgendwann mal ein Video im Internet auftauchen wird, wo wir lauthals im Bus die unterschiedlichsten Lieder runter"singen". Die Mitfahrer fanden uns nämlich anscheinend nicht so cool, wie wir uns.


Peinliches habe ich auch sonst ständig gemacht: z.b. als ich mich auf der Suche nach Saras Haus in der Straße geirrt habe und mit der völlig verwirrten, alten Isländerin auf "Isländisch" kommunzieren musste. Hab's aber überlebt :)


Dann waren wir einige Male in der Stadt, ich war zweimal mit im Unterricht, eisessen, Filme gucken, Kartenspielen, wieder essen. Im Grunde haben wir bei allem, was wir gemacht haben gegessen. Another Fat Student eben.
Bisschen Sport haben wir aber auch gemacht. Als erstes waren wir in einem "normalen" Schwimmbad in Reykjavík. Unterschiede: man muss nackt duschen und es wird nicht geschwommen. Im Grunde sitzt bei ein paar Stunden lang gemütlich in "Potts" draußen zwischen 36-44° (wobei 44° scheißeheiß ist), redet über Politik und die Welt und betrachtet den Sonnenuntergang. Hat was.

Beim zweiten Mal waren wir in der blauen Lagune. Ist natürlich auch eine super Erfahrung. Hätte aber vielleicht nicht auf Sara hören und meine Haare untertauchen sollen. Fotos habe ich übrigens keine, müsst ihr eben googeln :)


Auch noch erwähnenswert: Mein derzeitiger Lieblingssänger (isländisch) Ásgeir Trausti. Versteh zwar kein Wort, ist aber so hugnaligt :)
Rathaus Reykjavík


Schön war's dann auch noch am Flughafen in Reykjavík, was für Färinger irgendwie auch immer ein Treffpunkt ist. "Ach, du bist auch hier? Was hast du denn in Island gemacht?", "Ich war in Nuuk, Familie besuchen. Wie geht es Teitur/deiner Mutter/den Kindern?", "Oh, lange nicht gesehen! Wie geht es dir?", "Dich kenne ich dich auch! Bist du nicht in der Familie von (zuvor erwähntem) Teitur?"


Neben mir saß natürlich ein amerikanischer Tourist. Meine Güte war ich in meinem Element mit Erzählen und Prahlen. Ich bin so patriotisch geworden. Morgen geht es im Übrigen für eine Familie (wieder zu einer anderen Gastfamilie) nach Suðuroy - die letzte große Insel, die noch fehlt :)
Färöer sind so klein, ich weiß sogar, wie die Dörfer vom Flugzeug aus heißen. Hier: Gásadalur

Donnerstag, 9. Mai 2013

Vælkomin Summar

1.5. - 22:00 Uhr - links vom Vulkan

Sommeranfang in der nördlichsten Hauptstadt


Im Grunde habe ich nicht wirklich etwas zu erzählen. Zumindest nichts was zu den Bildern passen würde, die ich zeigen möchte.

8.5. - 22:00 Uhr - rechts vom Vulkan
In den letzten Tagen hatten wir immer mal wieder richtig schönes Wetter und - haltet euch fest - gestern war ich dann das erste Mal in diesem Jahr ohne meiner Winterjacke draußen unterwegs. Wie krass diese Tatsache eigentlich ist, habe ich auch erst dann bemerkt. Tat auf jeden Fall unglaublich gut, die Sonne auf der Haut zu fühlen und nicht zu frieren.

Eine Besonderheit im Norden ist tatsächlich die Sonne. Am 25. April wurde hier mit einem Feiertag der "Sommeranfang" gefeiert - am Tag zuvor lagen noch 15cm Schnee... Aber was passiert im Sommer hoch im Norden? Genau, es ist hell. Und in der nördlichsten Hauptstadt der Welt ist es sehr hell. Auch Anfang Mai schon.

Wenn man genau hinsieht, kann man sogar die Sonne wandern sehen. So ist beim ersten Bild die Sonne links vom Vulkan (den großen Berg im HIntergrund) untergegangen, beim zweiten ein gutes Stück weiter gen Norden.


Mitternachtssonne gibt es Anfang Mai zwar noch nicht, richtig dunkel wird's dafür aber auch nicht. Die letzten Fotos habe ich beispielsweise um 1:00 Uhr morgens gemacht :)

Okay, ich kann auch noch einige (lustige) Fakten über Island und Isländer anbieten:
- diese nervige Kinderfernsehshow Lazy Town stammt ursprünglich aus Island
- 8% der Isländer glauben heute noch an "Elfen" (das sind hier die ungewaschenen Kinder Evas, für die sie sich so geschämt hat, dass Gott sie mit Unsichtbarkeit bestraft hat) und heute noch werden Umwege z.B. beim Strassenbau gemacht, wenn eine Residenz der „kleinen Menschen“ durch Bauarbeiten gestört werden würde.
- man darf hier erst mit 21 trinken.
- das Telefonbuch wird nach Vornamen angeordnet.

:)



Samstag, 4. Mai 2013

Island an einem Tag

Karens Tagestour am Golden Circle


Ich weiß nicht, wie viele Island-Kenner hier unter den Lesern weilen, aber der Golden Circle ist eine Ansammlung von Touristenattraktionen, die eigentlich jeder Tourist einmal besucht. Daher ich auch.

Ich habe mal eine Karte aus dem Internet hinzugfügt, damit ihr nachvollziehen könnt, wovon ich rede.

Als erstes kommt man zum Nationalpark Þingvellir (Ebene der Volksversammlung). Hier wurde bereits um 930, also zur Wikingerzeit, einmal jährlich während 2 Wochen im Juni die traditionelle gesetzgebende Versammlung abgehalten und z.B. im Jahr 1000 die Annahme des Christentums beschlossen. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt.

Und sowieso gibt's hier alles, was Island zu bieten hat. Umgeben von Vulkanen, gibt es beispielsweise eine Schlucht, die sich in den letzten 10.000 Jahren um 70 Meter voneinander entfernt und 40 Meter in den Boden gesenkt hat(, weil sich Island mitten auf den Mittelatlantische Rücken befindet).





Ein beliebter Touristenplatz innerhalb des Nationalparks ist z.b. auch die Silfra-Spalte.




Anschließend geht's weiter nach Geothermalgebiet Haukadalur, wo's Geysire gibt. Also im Grunde gibt es nur zwei "spritzende" Geysire. Der Papa aller Geysire, der große Geysir, der an seinen besseren Tagen 170 Meter heißes Schwefelwasser spuckte (das war 1845), heute ist er aber recht erschöpft. Regelmäßig bricht dagegen Strokkur aus (alle fünf Minuten, bis zu 35 Metern).


Es ist ganz lustig, die ganzen Touristen zu beobachten, die fünf Minuten angespannt mit der Kamera bewaffnet warten, und dann einheitlich in ein langes "Ahhhh" ausbrechen :)







Weiter geht's schließlich nach Gullfoss (Goldwasserfall) ist ein ganz ansehnlicher Wasserfall. Irgendwie kann ich gerade dazu nicht mehr sagen, als das es ein schöner großer Wasserfall ist. Naja, auch gut :)














Zuletzt geht's zu einem Vulkankrater. In Island gibt es 31 Vulkansysteme. Den, den wir angeguckt haben, war einer von denen, die nur einmal ausbrechen. Apropos Vulkane. Erinnert ihr euch daran, wie Eyjafjallajökull vor zwei Jahren ausgebrochen ist und ganz Europa lahm gelegt hat? Wusstet ihr eigentlich auch, dass man die ganze Zeit über problemlos von Reykjavík nach Akureyri (Nordisland) fliegen konnte?

Mittwoch, 1. Mai 2013

der Tourist in mir


Reykjavíks Sehenswürdigkeiten Teil I


Hæ (isländisches "hey"),
weil das Wetter heute so toll ist (zumindest für Fotos - in echt ist es viel zu kalt), habe ich heute mal Tourist gespielt.


Ich nehme euch mal auf meine selbstorganisierte und spontane (also im Grunde nicht organisierte) Rundreise durch's Stadtzentrum mit.

Angefangen bei der Hallgrímskirkja, die tatsächlich wie eine überdimensionale Orgel aussieht. Die Kirche gehört zur evangelisch-lutherischen Staatskirche und ist das zweithöchste und das sechstgrößte Bauwerk des Landes. Von innen sieht die Kirche recht langweilig aus, erwähnenswert ist aber die Leif-Eriksson-Statue, die auf dem Platz zuvor wacht.

Leif der Glückliche (isl: Leifur Eiríksson) ist der Sohn vom norwegischen Wikinger Erik dem Roten, der Grönland benannt und besiedelt hat. Auf jeden Fall hat Leif als Erster Amerika "entdeckt" und dort sogar mehrere Jahre in Frieden mit den Einheimischen gewohnt, wenn auch die Geschichtsbücher das gerne verschweigen.

Anschließend bin ich zum Meer gegangen, wo eine recht bekannte moderne Skulptur eines Wikingerbootes steht. In meinem Reiseführer steht dazu nur "Aussichtspunkt". Auf jeden Fall spielen Wikinger hier noch immer eine große Rolle und werden auch viel häufiger erwähnt als auf den Färöern.

Von hier ist es nicht mehr weit bis zum Harpa, das moderne Konzert- und Konferenzhaus in Reykjavík. Mit dem Bau wurde vor dem "großen Bankenkrach" (so wird's in etwa hier genannt), doch trotz Schulden fertiggestellt. Das Innere erinnert mich ein bisschen an eine Bienenwabe, ist aber tatsächlich weit weniger voll und viel gemütlicher :)


So, das war der erste Teil. Ich habe übrigens noch ein Färöer-Video gefunden. Diese Inseln lassen einen einfach nicht mehr los. Bzw. die Gastmutter einer befreundeten deutschen Austauschschülerin in Reykjavík meinte zurecht: "Diese Inseln haben Charakter"

Sonntag, 28. April 2013

Rückkehr in die Zivilisation


Unterschiede zwischen Tórshavn und Reykjavík

 

Okay, ich schulde euch was. Beziehungsweise viel. Aber es ist ja sowieso nichts Neues, dass ich hinterher hinke.

Ich werde diesen (und die folgenden) Post(s) nicht chronologisch, sondern thematisch schreiben. In diesem ersten hier befasse ich mich mit mir (mal was ganz Neues, ich weiß) und mein Hin- und Hergerissen-Sein zwischen den
beiden Hauptstädten und Ländern. Ein Vergleich, sozusagen.

Anfangen tu ich aber trotzdem chronologisch und zwar mit meinem Flug nach Reykjavík. (ich bin direkt von den Färöer geflogen, Flugzeit 85 Minuten, Ankunft im Innlandsflughafen, nicht Keflavík). Als ich das erste Mal die Landschaft gesehen habe, war ich vor allem von der Farbe überrascht: Weiß, Schneeweiß. Den Winter hatte ich wohl schon zu früh abgeschrieben gehabt.

Der erste Blick auf die Stadt war beinahe erschreckend: Reykjavík ist riesig! (118 665 Einwohner und ich bin wohl der erste Tourist, der das behauptet). Auf dem Weg durch die Stadt wird mir bewusst: Reykjavík ist riesig! Hier gibt's viele graue Wohnkomplexe (generell keine schönen bunten Holzhäuser), waldartige Gebiete, vieeeeele Buslinien (5 in Tórshavn), Einkaufszentren und -Straßen und jede Menge Touristen in bunten Regenjacken.

Die Preise hier sind nicht ganz so teuer und Obst und Gemüse sieht hier viel frischer aus, am Straßenrand gibt es viele internationale Restaurants und sogar Kebabläden. Und nach neun Monaten habe ich tatsächlich das erste Mal wieder Wasser mit Kohlensäure getrunken (es schmeckt nicht mehr halb so gut). Apropos Wasser: Warmes Leitungswasser ist Schwefelwasser, was man auch riechen kann.

Es gibt die verschiedensten Arten von Menschen, übergewichtige Kinder, lästernde Jugendliche, mehr als fünf Alkoholabhängige, die tagtäglich an der Bushaltestelle sitzen, Leute achten auf ihre Uhren und leben sowieso in Stress. (wohlgemerkt gibt es das alles nicht in Tórshavn). Und im Grunde stelle ich jetzt erst fest, wie isoliert meine letzten neun Monate waren.

Aus meinem Fenster (fünfter Stock) habe ich einen großartigen Ausblick auf die ganze Stadt. Ich habe sie bereits in Schnee, Regen, Nebel und Sonne gesehen, aber in welchem Licht ich sie auch betrachte, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Noch nicht vielleicht. Das wirklich überwältigendste (und schönste) an der Stadt sind die umliegenden Berge :)

Nervig ist übrigens auch, dass ich die Sprache nicht verstehe. Zwar ist das Geschriebene

fast gleich mit dem Färöischen, aber Aussprache ist total unterschiedlich. Ein paar lustige Sachen gibt es trotzdem. Zur Untersuchung im Krankenhaus hieße auf Isländisch übersetzt zur Repartur im Krankenhaus. Apfelsaft ist Kartoffelsirup auf Färöisch :)

Also, Reykjavík ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber kann auf keinen Fall mit den Färöern mithalten. Ich bereue die Reise zur nördlichsten Hauptstadt der Welt (wer kann das schon behaupten?) keineswegs, aber Tórshavn ist und bleibt nun mal mein zu Hause :)

Sonntag, 21. April 2013

ich packe meinen Koffer

weil meine Zeit wortwörtlich davonfliegt

 

Also nein, ich fliege nicht nach Deutschland. Sondern endlich beginnt (bzw. morgen) meine Reise von den schönsten Inseln auf die jüngste der Welt. Seit fast Anfang meines Auslandsjahres habe ich daovn geträumt, Island zu besuchen und irgendwie hat alles super geklappt. Meine Schule fährt diese Woche auf Klassenfahrt nach Berlin, was ich nicht unbedingt anziehend fand, weshalb ich die zweieinhalb freien Wochen meinen Island-Aufenthalt geplant habe. Ich werde bei einer Familie in der (nördlichsten) Hauptstadt (der Welt) wohnen und bin schon mächtig gespannt :)

Einziger Haken ist nur das verhasste Kofferpacken. Wenigstens muss ich dieses Mal kein ganzes Leben zusammenquetschen und mich nicht ständig die Gewichtsgrenze bedenken.

Aber auch rückblickend gibt es noch einiges zu erzählen. Zu allererst habe ich das Praktikum im Kindergarten überstanden. Alles in einem hatte ich eine sehr schöne, wenn auch teils anstrengende Zeit und habe gut 30 neue Freunde gefunden. Ich find's unglaublich schön zu beobachten, wie kleine Kinder innerhalb weniger Stunden zu einem fremden Menschen Vertrauen fassen und z.B. zu mir gekommen sind, um mit mir zu spielen :)














Freitag war ich ein weiteres Mal in Leynar. Wir vier Austauschschüler im Lande haben uns das Haus meiner Gasteltern "geliehen" und haben sozusagen ein kleines Abschiedstreffen organisiert. Breno, aus Brasilien, verlässt die Inseln nämlich, während ich noch in Island bin. Ty, der halb Thailänder ist, hat thailändisch gekocht, was echt lecker war. Dann waren wir noch dem Lauf eines Flusses verfolgen, der am Strand ins Meer mündet. Weil dieser Fluss aber immer breiter, steinloser und die Felsen rundherum immer steiler wurden, wurde das recht abenteuerlich. Und dieses ganze Brückenbauen und gemeinsam Vorankommen hat im Nachhinein sogar eine recht symbolische Bedeutung.

Ach, ratet mal wer mit einem nassen Schuh nach Hause laufen musste! :D

Über Nacht hat's ziemlich gestürmt, weshalb wir auch die spontane Idee von einem Lagerfeuer unten am Strand letztendlich nicht ausgeführt haben. Hatten mit Essen, Gitarre und passender Musik eigentlich alles notwendige. Okay, vielleicht nicht die rechtliche Erlaubnis, weshalb's vielleicht auch so besser war :)
 
Heute waren wir noch kurz bei unseren Schafen. Inzwischen haben wir nämlich 3 kleine Lämmer, die irgendwie ganz schön putzig sind. Anschließend stand Zimmeraufräumen an der Reihe und nun bin ich wieder, wo irgendwie jedes Abenteuer anfängt und wieder aufhört: mit einem leeren Koffer.