Unterschiede zwischen Tórshavn und Reykjavík
Okay, ich schulde euch was. Beziehungsweise viel. Aber es ist ja sowieso nichts Neues, dass ich hinterher hinke.

Ich
werde diesen (und die folgenden) Post(s) nicht chronologisch, sondern
thematisch schreiben. In diesem ersten hier befasse ich mich mit mir
(mal was ganz Neues, ich weiß) und mein Hin- und Hergerissen-Sein
zwischen den
beiden Hauptstädten und Ländern. Ein Vergleich, sozusagen.
Anfangen
tu ich aber trotzdem chronologisch und zwar mit meinem Flug nach
Reykjavík. (ich bin direkt von den Färöer geflogen, Flugzeit 85 Minuten,
Ankunft im Innlandsflughafen, nicht Keflavík). Als ich das erste Mal
die Landschaft gesehen habe, war ich vor allem von der Farbe überrascht:
Weiß, Schneeweiß. Den Winter hatte ich wohl schon zu früh abgeschrieben
gehabt.

Der erste Blick auf die Stadt war beinahe
erschreckend: Reykjavík ist riesig! (118 665 Einwohner und ich bin wohl
der erste Tourist, der das behauptet). Auf dem Weg durch die Stadt wird
mir bewusst: Reykjavík ist riesig! Hier gibt's viele graue Wohnkomplexe
(generell keine schönen bunten Holzhäuser), waldartige Gebiete,
vieeeeele Buslinien (5 in Tórshavn), Einkaufszentren und -Straßen und
jede Menge Touristen in bunten Regenjacken.

Die Preise
hier sind nicht ganz so teuer und Obst und Gemüse sieht hier viel
frischer aus, am Straßenrand gibt es viele internationale Restaurants
und sogar Kebabläden. Und nach neun Monaten habe ich tatsächlich das
erste Mal wieder Wasser mit Kohlensäure getrunken (es schmeckt nicht
mehr halb so gut). Apropos Wasser: Warmes Leitungswasser ist
Schwefelwasser, was man auch riechen kann.

Es gibt die
verschiedensten Arten von Menschen, übergewichtige Kinder, lästernde
Jugendliche, mehr als fünf Alkoholabhängige, die tagtäglich an der
Bushaltestelle sitzen, Leute achten auf ihre Uhren und leben sowieso in
Stress. (wohlgemerkt gibt es das alles nicht in Tórshavn). Und im Grunde
stelle ich jetzt erst fest, wie isoliert meine letzten neun Monate
waren.
Aus meinem Fenster (fünfter Stock) habe ich
einen großartigen Ausblick auf die ganze Stadt. Ich habe sie bereits in
Schnee, Regen, Nebel und Sonne gesehen, aber in welchem Licht ich sie
auch betrachte, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Noch nicht
vielleicht. Das wirklich überwältigendste (und schönste) an der Stadt
sind die umliegenden Berge :)

Nervig ist übrigens auch,
dass ich die Sprache nicht verstehe. Zwar ist das Geschriebene
fast
gleich mit dem Färöischen, aber Aussprache ist total unterschiedlich.
Ein paar lustige Sachen gibt es trotzdem.
Zur Untersuchung im Krankenhaus hieße auf Isländisch übersetzt
zur Repartur im Krankenhaus. Apfelsaft ist
Kartoffelsirup auf Färöisch :)

Also,
Reykjavík ist auf jeden Fall einen Besuch wert, aber kann auf keinen
Fall mit den Färöern mithalten. Ich bereue die Reise zur nördlichsten
Hauptstadt der Welt (wer kann das schon behaupten?) keineswegs, aber
Tórshavn ist und bleibt nun mal mein zu Hause :)
Wenn du mal die Halgrimskirche (die wie eine überdimensionale Orgel aussieht) besuchst, gegenüber dem Eingang im Hotel Leifur Erikson (oder so ähnlich) haben wir seinerzeit gewohnt. Hast du den außer Reykjavik auch schon etwas gesehen? Omi
AntwortenLöschenZum Unterschied zwischen den Färingern und den Isländern hab ich mal folgendes gelesen – und mein Eindruck ist, dass es so in etwa stimmt. (Deiner auch?)
AntwortenLöschenTourist trifft Einheimischen:
Island
Einheimischer: „Wie gefällt Dir unser Land?“
Tourist: „Oh wundervoll, die Berge, das Meer, die Luft...“
Einheimischer: „Ja“
Tourist: „Und die Wiesen, und die Schafe, alles so ursprünglich hier, und die Wollpullover....“
„Einheimische“ „Ja, schönen Tag noch“
Färöer
Einheimischer: „Wie gefällt Dir unser Land?“
Tourist: „Oh wundervoll, die Berge, das Meer, die Luft...“
Einheimischer: „Ja“
Tourist: „Und die Wiesen, und die Schafe, alles so ursprünglich hier, und die Wollpullover....“
„Einheimischer“ „Gibt es bei Euch keine Berge... Wie weit wohnst Du vom Meer... keine Schafe......“
Der Färinger lädt den Touristen zum Kaffee ein und fragt ihm Löcher im Bauch...
JO