Posts mit dem Label Wale werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wale werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 16. August 2015

Auf den Spuren meiner Vergangenheit 1/2


Liebe Bloggemeinschaft,

vielleicht hat's der Ein oder Andere mitbekommen, aber hier noch einmal offiziell: Ich war wieder da. Zuhause. Färöer.

Es ist viel passiert. Es sind schließlich mehr als zwei Jahre vergangen seit ich die Färöer verlassen habe. Seit mein Jahr als Austauschschülerin vorbei ist. In der Zwischenzeit habe ich mein Abi gemacht - das hat wohl den größten Teil meiner Zeit eingefordert. Doch trotz meines durchaus deutschen Alltages habe ich es geschafft, dass die Färöer noch immer ein aktiver Teil von mir sind. Sei es in meiner Facharbeit in der 11. Klasse (Fach: Erdkunde, Thema: Das Tourismuspotenzial der Färöer hinsichtlich der Entwicklung und Nachhaltigkeit) oder als AFS-Betreuerin für die Nordeuropa-Vorbereitung, also für alle zukünftigen Austauschschüler*innen, die das Glück haben in eines der nordischen Länder zu gehen.


In diesem Blogeintrag möchte ich euch aber von meiner Reise erzählen. Die zwei Wochen Färöer. Auf den Spuren meiner Vergangenheit.
(Vorwarnung: Es wird lang!)

Auf dem 'Land'weg auf die Färöer


Wir haben kein Auto. Meine Mutter und ich. Das ist auch nicht schlimm, weil wir das bei uns im gut vernetzen Rheinland einfach nicht brauchen. Normalerweise fahren wir mit dem Fahrrad - aber auf die Färöer? So sportlich sind wir dann doch nicht (ganz zu schweigen von den dafür notwendigen Urlaubstagen). Aber trotzdem, meine Mutter und ich haben uns irgendwie in den Kopf gesetzt, nicht fliegen zu wollen. Das hat zwei Hauptgründe:
  • wir mögen lange Anreisen. Heutzutage ist alles so schnell, so stressig. Es muss jetzt sofort geschehen. Man steigt in ein Flugzeug und ist dann zwei Stunden später an einem völlig neuen Ort - der Kopf aber häufig noch nicht. Aber wenn man langsam fährt, dafür vielleicht umständlich, wenn man sich Zeit lässt - dann kommt man auch an. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
  • Wir mögen Schiffe.
Also schnell beschlossene Sache: der Fernbus fährt von Köln nach Aalborg (Dänemark). Ja, man hätte auch mit dem Zug fahren können, aber dann wären wir merkwürdigerweise immer über Berlin und Kopenhagen geleitet worden. So umständlich wollten wir dann doch nicht fahren. Daher: 19. Juli, 6 Uhr morgens geht's los. 15 Stunden später erreichen wir Aalborg. Es regnet, wir finden unsere Zimmer, trinken einen heißen Tee und sind glücklich.


Der nächste Tag: wir erkunden Aalborg. Bei Sonnenschein. Eine nette Stadt. Dänisch, authentisch.

Am Tag darauf geht's mit dem Zug weiter nach Hirtshals. Umsteigen in die Bimmelbahn. Es regnet wieder. Ein Bus bringt uns, unsere Taschen und zwei Rucksäcke (eigentlich ganz schön viel Gepäck für zwei Wochen, wenn man drüber nachdenkt) direkt zum Fährhafen. Wir warten, während die Fähre nach Stavanger ablegt und wenig später die Norröna einfährt. Wir kommen mit einigen anderen Passagieren ins Gespräch. Viele kommen aus Deutschland, viele wollen mit ihren robusten Geländewagen nach Island. Ich schwärme von den Färöern, gebe Reisetipps für die, die es hören wollen und für die, die tatsächlich auch auf die Färöer fahren.


An Bord lesen wir hauptsächlich. Essen, leihen uns das Quirkle-Spiel (sehr empfehlenswert!) der Nachbarn aus, sonnen uns, genießen die Weiten des Meeres, machen Fotos (ich), kommen an. Ganz langsam, ein bisschen umständlich. Aber als der erste Sula (Basstöpel) an unserem Fenster vorbeigleitet, weiß ich, dass es nicht mehr weit ist. Und dass ich bereit bin. Dass ich hier bin. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
"Eg biði teg. Vak nú meg. Leið nú meg. Heim til tín."- Jón Aldara / Vráin, Hamferð
deutsch: "Ich bitte dich. Wecke jetzt mich. Leite jetzt mich. Nach Hause zu dir."

hier klicken zum Weiterlesen!

Sonntag, 3. Februar 2013

drei magische Worte

die Bedeutung von hugnaligur, lekkurt und deiligur

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Seit dem letzten Eintrag hat sich vor allem auf meinem Speicherkarte in der Kamera viel getan. Daher müssen meine Busbilder Part 2 von Klaksvík nach Tórshavn auch erstmal warten, weil ich Donnerstag und Freitag eine "deiligur" Begegnung hatte. Deiligur kann mit dem englischen "lovely" gleichgesetzt werden und kann bzw. wird in jeder Situation verwendet.

Auf jeden Fall hat mein Film/Drama Lehrer Donnerstagmittag veranlasst, mit Kameras bewaffnet in den Hafen zu pilgern, weil da nach wie vor noch der Buckelwal umherschwirrt. Bei dem Wal handelt es sich übrigens um einen jungen, der sich nicht unbedingt verirrt hat, nur vom Fisch angezogen wurde und den Abstand von Menschen halten noch etwas lernen muss. Trotzdem besteht (glaube ich zumindest) keine Gefahr für ihn und generell wird hier ja "nur" Grind gegessen.

Nach einer halben Stunde bei Kälte und Sonnenschein und des Nichts-Geschehens sind also alle nach Hause gegangen und ich konnte gerade noch so eine Freundin überzeugen, mit mir zu warten. Zehn Minuten später tauchte dann tatsächlich der Wal auf (die übrigens bis zu 18 Meter lang werden) und blies Wasser (oder Luft?) und tauchte langsam wieder ab und einige Minuten später woanders wieder auf und dasselbe einige Male.

Später standen wir dann mit einem Dutzend anderen auf einem Bootssteg, zwei Taucher neben uns im Wasser, als der Wal direkt neben uns her getaucht ist. Alle total begeistert und direkt hingestürmt um den Riesentier so nah wie möglich zu sein, während ich mich respektvoll und instinktiv am Gelände festgeklammert habe. War trotzdem toll :)

Von Freitag hatte ich mir eigentlich vor allem etwas "Sommer" erhofft - schließlich ist ja jetzt Februar. Als ich aber schließlich morgens den "Rolladen" (die gibt's hier eigentlich gar nicht) hochgezogen habe, war's nicht nur dunkel, sondern auch schneebedeckt. Ich hatte fast aufgehört, mich über's Wetter hier zu wundern. Der Wetterumschwung konnte meine Kunstlehrerin dennoch nicht aufhalten erst zur "Kommunskúla" (Klassen 1-9) in der Stadtmitte zu wandern, anschließend zum Norðurlandahúsið (das bei Gelegenheit auch mal fotografiert werden könnte) und mit dem Bus weiter zur Schule am "Løgmannabreyd", die erst vor ein paar Jahren fertig gestellt wurde und wo wir spontan eine Führung bekommen haben, die so "hugnaligur" war. Hugnaligur wird ebenfalls bei jeder Gelegenheit verwendet und heißt gemütlich :)















Anschließend konnte ich einige Freundinnen überreden mit mir und Kamera noch einmal zum Hafen zu gehen. Weil's recht früh war, waren wir die einzigen Schaulustigen. Wir dümpeln also auf diesem schwimmenden, schneebedeckten Steg herum und wissen nicht mal sicher, ob der Buckelwal überhaupt noch da war. Wenige Minuten später tauchte er dann aber doch noch einige Meter entfernt auf und eine Minute später nährte sich auf einmal (im SEHR klaren Hafenwasser) ein gigantischer weißer Schatten, der schließlich unter uns schwamm. Wenn ich's richtig gedeutet habe, muss das Weiße die vordere Unterseite gewesen sein, also hat er sich unter Wasser gedreht. Zwei Meter entfernt von uns ist er dann wieder aufgetaucht und hat wieder Wasser geblasen und langsam seine (relativ kleine) Rückenflosse gezeigt. Leider sieht man nur auf meinen Fotos nicht richtig, wie groß das Tier eigentlich ist. Trotzdem war's eine "lekkurt" Begegnung, was so viel wie "lecker" heißt, aber auch für Landschaft, Wetter oder eben "übernatürliche" Begegnungen verwendet werden kann :)



So, nach dieser langatmigen Schwärmerei habe ich eigentlich keine Lust auch noch den spontanen Ausflug nach Nólsoy zu erwähnen, bzw. zu verbildlichen. Aber ich habe ja noch genug Zeit, auch wenn mich im Moment echt Panikzustände plagen, wenn ich daran denke, dass ich in weniger als fünf Monaten (FÜNF!) bereits wieder in Deutschland bin...

Aber ich habe ja noch 145 hugnaligur(e) Tage im lekkurt(en) Paradis mit hoffentlich ebenso deiligt(en) Erlebnissen wie bisher übrig (auch wenn ich Angst habe, dass mich bald nichts mehr begeistern kann, wenn's so weiter geht :))





PS: Färöer, ich liebe dich!

Mittwoch, 30. Januar 2013

einen Klaks weg - Wochenende in Klaksvík

Multikulti-Abend, verbranntes Frühstück und sonniger Morgen

So, hier der angekündigte Wochenendsbericht :)

Also erstmal waren wir Freitagabend auf dem 85. Geburtstag meiner färöischen Oma. Falls ich noch mal irgendwann an Fotos kommen werde, teile ich die nachträglich mit euch. Meine Oma ist eine recht interessante Persönlichkeit, die gerne mit ihrem Ipad (Weihnachtsgeschenk) spielt und skypt und mal eben Tickets für ein Heavy-Metal-Konzert (in der Havnar Domkirche) kauft.









Von Faszination Mensch zur Inspiration Land. Wie bereits erwähnt war ich von Samstag bis Sonntag im Norden des Landes. In Gøta haben wir einen gemütlichen Abend im Kreise von 3 ehem. und 2 zukünftigen sowie der Hälfte von uns derzeitigen Austauschschülern verbracht. Breno aus Brasilien hat landestypisch gekocht (zum ersten Mal in seinem Leben übrigens - seine brasilianische Mutter hatte ihm davon abgeraten!), mit dem Reis haben wir uns etwas verschätzt, der zehn-Liter-Topf war am Ende randvoll. Aber naja, war nicht nur ein Erlebnis, sondern auch ganz lustig.

Anschließend folgte einige Spiele wie Stille-Post und Pantomime-raten. Weil nachts keine Busse mehr zurück nach Havn fahren, haben ich und Janus (Deutschland/Ungarn) bei einer Mexiko-gängerin in Klakvík übernachtet. Dort haben wir noch die färöische/dänische Variante von Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt und ein paar Filmchen gesehen. Am nächsten Morgen, als wir gerade alle gemütlich am Frühstückstisch saßen, schnupperten die Eltern auf mal Rauch. Keine fünf Sekunden später klingelte das Telefon, eine Nachbarin. Ein, zwei Straßen weiter brannte irgendwas im Schuppen oder Scheune. Schlimm war's nicht und die ganze Nachbarschaft wusste Bescheid, bevor in der Ferne die Sirenen ertönen konnten. Dabei kann man das hier nicht mal lästern nennen, weil nie eine böshaftige Absicht mitschwingt. Es ist lediglich ein gutes Informationsverbreitungssystem, das in Rekordzeit arbeitet.

Auf dem Weg mit dem Bus zurück hat schließlich die Sonne geschienen und weil wir fast die einzigen waren, konnten wir ein wenig ungestört Paparazzi spielen. Auf diese Weise entstanden ein paar Hundert Bilder, manche von ihnen jedoch mit netter Fensterspieglung und/oder Tropfen im Vordergrund. Zwischendurch hat es dann nämlich doch noch ein mal ein bisschen getröpfelt. Das wirklich merkwürdige Wetter hier ist nämlich, dass nach einem Tunnel das Wetter immer (IMMER) verändert ist. Ohne Spaß, drei Kilometer können die Welt verändern.


















Jetzt ist das Leben wieder normal. So normal wie es eben sein könnte. Gestern hat sich ins Hafenbecken ein Buckelwal verirrt (nein, ich habe ihn nicht gesehen, ich war brav in der Schule) (und nein, er wurde nicht getötet, bevor jemand auf die Idee kommt). Alleine Filmaufnahmen sind aber schon recht beeindruckend. Im Kunstunterricht sollten wir auf großen Leinwänden über Geschlechtskrankheiten Malerisch informieren. Wie man Syphilis ansehlich darstellen soll ist mir noch immer ein Rätsel, aber was soll's. Das Leben bietet schließlich immer neue Herausforderungen :)



PS: restlichen zehntausend Fotos folgen bei Gelegenheit :)