Sonntag, 17. Februar 2013

Verstehen und Verstanden werden

 Die Kunst des Nuschelns

 

Weil wir Freitagabend mit der gesamten Familie (also auch Tanten, Onkels, Cousinen, Oma) ein Theaterstück angesehen haben, ist mir mal aufgefallen, dass ich noch gar nichts über die Sprache selber erzählt habe. Deshalb hole ich das jetzt mal ausführlich nach.




Färöisch.

Puh, wo fange ich an? Also erstmal Fakten (von Wikipedia, meinem Freund). Färöisch bildet mit Norwegisch und Isländisch die westskandinavische Sprachfamilie. Die Gesamtzahl der Muttersprachler auf der Welt ist unklar. Schätzungen reichen von 60.000 bis zu 100.000, wobei die erste Zahl realistischer ist.

Man könnte meinen, dass so eine "kleine" Sprache vom "Aussterben bedroht" ist. Doch  nicht zuletzt durch ihren Status als Amtssprache und die reichhaltige färöische Literatur gilt sie heute als nicht mehr gefährdet. Bis vor einigen Generationen war offizielle Amtssprache hier nämlich noch Dänisch, weshalb z.B. die Generation meiner Großeltern die Vornamen noch in der dänischen Schreibweise geschrieben haben.

Heute wird ausschließlich Färöisch gesprochen (weshalb ich auch kein Wort Dänisch verstehe, auch wenn ich es teilweise geschrieben verstehen kann). Wenn auch Dänisch noch ein (meiner Ansicht nach) großer Teil im Alltag spielt. Zum Beispiel im Fernsehen oder Schulbücher und allgemein spricht das hier jeder fließend.


Außerdem ist Färöisch die Sprache auf der Welt, in der jährlich die meisten Bücher pro Muttersprachler erscheinen (1 Buchtitel auf etwa 325 Einwohner). Von 1822 bis 2002 kamen genau 4306 Titel auf Färöisch heraus, wobei das Jahr 2000 mit 170 Titeln (darunter 66 Übersetzungen aus anderen Sprachen) der bisherige Rekord ist.


Das Färöische Alphabet umfasst 29 Buchstaben, darunter á, æ, ð, í, ú, ø und ý. 


Also Dänisch klingt ja, als würde man mit einer Kartoffel im Mund sprechen. Auf Färöisch wird auch ganz schön genuschelt, jedoch finde ich das verständlicher. Viele (nein, eigentlich alle) Worte werden ganz anders ausgesprochen, als sie geschrieben werden. Zum Beispiel "ikki" (nicht) wird "itsche" ausgesprochen. "Barnið" (das Kind) wird zu "badne" Oder "bíða"  (warten) zu "bui-ja".



Andererseits ist es aber auch nicht so, dass da überhaupt kein System hintersteckt. Man muss nur einige Regeln lernen, die sich dann in verschiedenen Worten wiederholen. Grammatikalisch muss man auch einiges bedenken, die Grammatik ist nämlich ganz schön umfangreich. Und dann wiederum auch nicht, weil sich Deutsch und Färöisch in dieser Hinsicht ganz schön ähnelt. Es gibt bspw. auch drei Geschlechter, Verben werden fast nach dem selben Prinzip gebildet und der Satzbau ist auch derselbe. Dennoch gibt's immernoch manches was recht gewöhnungsbedürftig ist. Zum Beispiel das der bestimmte Artikel angehangen wird. "eitt barn" (ein Kind), aber "barnið" (das Kind).



Was mich persönlich am meisten überrascht hat, ist die Tatsache, dass es im Färöischen Dialekte gibt. Ich meine, so groß ist das ja hier auch nicht. Recht viele sogar. Hagrid (im färöischen Harry Potter) spricht beispielweise den "Nordinseln-Dialekt", was mich anfangs ganz schön verwirrt hat :)

Ich glaube spätestens Weihnachten habe ich angefangen ausschließlich Färöisch zu reden, was echt anstrengend sein kann. Ich denke, ich verstehe weit mehr als ich sagen kann (ist das nicht eigentlich immer so? :D), höre aber auch häufig, dass ich total gut färöisch spreche. Das schöne dabei ist, dass Färinger absolut begeistert sind, wenn jemand versucht "ihre" Sprache zu lernen, schließlich könnte man ja auch einfach Englisch oder Dänisch reden.









Ich muss immer noch viel nachdenken, wenn ich spreche und ich vermisse es, sich richtig fließend unterhalten zu können und beispielsweise Wortwitze zu machen. Und ich weiß auch nie, inwiefern ich verstanden werde, weil die Sprache einfach wunderbar ist, um etwas auszudrücken. Aber ich habe ja auch noch 4 1/2 Monate und bekanntlich kommt ja das Beste sowieso zum Schluss :)

6 Kommentare:

  1. Hej Karen!

    Da fällt mir grade ein, dass ich damals einer Freundin versucht habe, eine Mail auf Färöisch zu schreiben..

    Vielleicht hast du ja auch deine Spaß damit. ;)

    Skilir þú eiginlega, þegar ég skrif á íslensku? :P

    Viele Grüße Lisa
    ------------------------------------------------
    góðan dagin ...! :D

    Hvussu livir tú? eg finna danskur-føroyskur orðabók í bókasavn. og eg teinkja at tað kunna vera stuttligur royna skriva... :P
    eg hava tað góður. eg keða eg ikki, sjálvt um mann kunna trúgva tað... ;)
    Kunna tú skilja eg?

    kvøða, lisa

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    1. Hey!

      Eg skilji tað, tá tú skriva á íslenskum. Og eg fari í apríl til Ísland, so eg eri spennandi um eg kann eisini skilji íslenk, tá tey tosa.

      Ich lese ohnehin immer ganz gespannt mit, wenn andere (AFS'er) was auf facebook schreiben und bin ganz stolz, wenn ich das Skandinavische lesen kann. Und dass du bei der Mail ein Wörterbuch gefunden hast, konnte ich auch sehen. Manche Wörter sind so ungewöhnlich/veraltet, dass ich die selber nachgucken musste :D

      Men heilsan og síggji teg næstu ár í Vlotho umaftur (kanska :D),

      Karen

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    2. Hæ hæ,

      þá verður jú mjög spennandi, þegar þú kemur til Íslands :)

      Ja, Skandinavisch ist schon echt cool. Ja, das Wörterbuch gab es in der Bibliothek, war wohl auch schon etwas älterem Jahrgangs.
      Färöisch ist tatsächlich irgendwie wie Isländisch mit dänischen Einflüssen - sehr spannend, das zu verfolgen.

      Sjáumst þá vonandi (í Vlotho eða eitthvað annað stað) á næstu ári, en njóttu tímans vel.

      Kv. Lísa

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  2. Gut zu wissen, dass ich nicht der einzige bin, der mit Dänisch verstehen und sprechen überhaupt nicht klar kommt. Lesen geht einigermaßen, aber reden... Ich verstand immer nur "station" - Bahnhof. (Gibt es das Wort überhaupt im Färöischen, wohl mangels Eisenbahn nicht - zumindest habe ich es nicht gefunden.)

    Und das alles obwohl ich mit dem angeblich so ähnlichem Schwedisch überhaupt keine Probleme habe - zumindest mit dem lesen und verstehen.

    Wie auch immer, lustig ist ja auch das Verhältnis zum Isländischen. Das ist in der Schriftform dem Färöisch sehr ähnlich, gesprochen hat das aber miteinander glaube ich gar nichts zu tun. (Die Isländer sprechen z.B. das ð ähnlich dem englische "th", im Färöischen ist es ein stummer Laut ähnlich dem deutschen Dehnungs-H.) In beiden Sprachen ist die Schreibweise altnordisch, die Aussprache aber eben grundverschieden. Und - sei froh dass Du auf Färöer bist: Die Grammatik der Färinger ist gegen das monströse Regelwerk der Isländer geradezu simpel. Geschnallt hab ich das nicht einmal ansatzweise.

    Jo

    P.S. Färöische Wortschöpfungen wie Telda, fartelda, telefon, fartelefon sind auch ein Kapitel für sich.

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    1. Bahnhof gibt es tatsächlich auch auf färöisch ("jarnbreytargarður" sagt das Wörterbuch). Wobei es ihn gleichzeitig natürlich nicht gibt :D

      Isländisch kann ich zwar einigermaßen lesen (wenn es auch nicht häufig Anlass dazu gibt), allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, wie das klingt.

      Und die ganzen "modernen" Begriffe habe ich leider vergessen zu erwähnen. Letztens wurde im Radio einfach mal inoffiziell das neue Wort für Ipad eingeführt ("teldíl"), leider wusste nur keiner, was das bedeuten soll :D

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  3. Nana, ärgert man denn so seine große Schwester? ;-)

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