Sonntag, 24. Februar 2013

Die Philosophie des Strickens

 Gefangen, verstrickt und gebunden im Paradies

 

Austauschschülerinnen in den nordischen Ländern lernen in der Regel das Stricken. Jaja, ich auch. Und das ist auch auf keinem Fall etwas Merkwürdiges in der Schule oder beim Treffen mit Freunden ebendies zu tun. Okay, wenn ich nebenbei noch fünf Stunden Jane Austen's Pride and Prejudice ansehe, kommen schon mal Zweifel an meinem Alter auf, aber was soll's.

 Ich habe bereits eine Mütze gestrickt, seit ich hier bin. Mein neues Projekt ist ein Pullover. Wer hätte aber gedacht, dass man aus den, sich immer wiederholenden (ich stricke nur Rechtsmaschen) Bewegungen so viel Lebensweisheit ziehen kann? Undzwarfolgendermaßen:

Ich bin ganz glücklich, endlich angefangen zu haben. Begeistert stricke und stricke ich, bis ich innerhalb einer Woche gut zehn Zentimeter zusammen habe. (200-noch-was Maschen wohlgemerkt!). Eines Abends stellen wir dann aber fest, dass meine Konzentration doch ein bisschen nachgelassen hat. Der Faden ist nicht  mehr so stramm gezogen und die Maschen unregelmäßig und löchrig. Ich war wohl nicht mehr mit dem Herzen dabei. Also, ein Entschluss innerhalb weniger Minuten, wird die Arbeit der vergangenen Tage wieder "zerstört" und ich muss von vorne beginnen.

Aber sollte ich deswegen niedergeschlagen sein? Oder gar motivationslos oder abgeneigt, nochmal von vorne zu beginnen? Okay, zugegeben, ich war's ein wenig. Aber trotzdem habe ich wieder angefangen. Von vorne, ruhig, konzentriert und diesmal mit dem Herzen (och, so kitschig), weil ich schließlich immer noch mein Ziel vor Augen habe. Vielleicht sind die ersten Erfolge nicht so benebelt. Aber darauf kommts nach einiger Zeit ja auch nicht an. Es geht darum, seine Ziele vor Augen zu haben und nicht den Erfolgen und Glück der anderen hinterher zu jammern. Und darum, Chancen zu ergreifen, um voran zu kommen - oder eben Maschen. Lass dich vom Ergebnis anderer inspirieren, aber deshalb nicht entmutigen, selber Ziele zu erreichen. Sehe zu, dass jeder Schritt, jede Masche auf ihre eigene Weise perfekt ist - dann wird es das ganze, der Pullover, mein Jahr, ebenfalls.

So, das war das Wort zum Sonntag. Puh :)

Neben Philosophie und Weisheiten kann ich euch auch noch einen grönländischen Film empfehlen. D e r i s t e c h t g u t! ("The most difficult journey is the one you must make within yourself"). Ich habe ihn übrigens auf grönländisch (echt 'ne krasse Sprache!) mit dänischen Untertiteln gesehen - kaum vorzustellen, wie gut er sein muss, wenn man ihn komplett versteht... :D

Apropos Sprache: Kleine Anmerkungen zum letzten Post, da hätte ich nämlich ein bisschen was vergessen. Färinger sind unschlagbar in neuen Wortschöpfungen. "Problem", "Computer", ja sogar "Handy" und "Ipad" gibts auf färöisch. Auch wird für nichts die lateinischen Begriffe verwendet, selbst positiv ("jaliga") und negativ ("neiliga") gibts auf färöisch...
Merkwürdig finde ich auch, dass Namen verändert werden. Zum Beispiel meine Freundin Tóra, besuche ich sie heißt es "... hjá Tóru". Richtig verwirrend wird's dann aber erst mit Rúna (weiblich) und Rúni (männlich), die genau gegenteilig gebeugt werden.
Und noch eine lustige Unterhaltung. (wieder Tóra): In der Klasse A waren die coolen, in B die lieben  und in D die merkwürdigen. Ich: Und C? T: Ja, das gibt's im Färöischen nicht. Also wird's bei der Aufzählung einfach weggelassen. Dafür haben manche Schulen aber eine Klasse Á ("oar").

Das war's auch im groben wieder. Meine Güte ich schaff's aber auch echt nie, einen KURZEN Post zu schreiben :o Schule steht noch, Zeit verfliegt (126 Tage! :o), es wird langsam heller, der Frühling kommt, denn ich blühe auf. Glaube ich zumindest, manchmal zwischendurch, vielleicht.

Was ich aber noch auf jedem Fall loswerden möchte: 1.) Brüderchen, alles alles Liebe nachträglich 2.) ein lieber Gruß geht an Omi und Opi, weil ich weiß, dass die beiden täglich auf Neuigkeiten von ihrer Lieblingsenkelin (tja, "verkackt" Marit :D) vom Ende der Welt warten und 3.) ganzganzganz lieben Dank für über 15000 Seitenaufrufe - hätte vor sieben Monaten nie angenommen, dass mein Leben, die Färöer und meine Erlebnisse so viele Menschen interessieren würden! Túsend takk!










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