Gefangen, verstrickt und gebunden im Paradies

Austauschschülerinnen
in den nordischen Ländern lernen in der Regel das Stricken. Jaja, ich
auch. Und das ist auch auf keinem Fall etwas Merkwürdiges in der Schule
oder beim Treffen mit Freunden ebendies zu tun. Okay, wenn ich nebenbei
noch fünf Stunden Jane Austen's Pride and Prejudice ansehe, kommen schon
mal Zweifel an meinem Alter auf, aber was soll's.
Ich
habe bereits eine Mütze gestrickt, seit ich hier bin. Mein neues Projekt
ist ein Pullover. Wer hätte aber gedacht, dass man aus den, sich immer
wiederholenden (ich stricke nur Rechtsmaschen) Bewegungen so viel
Lebensweisheit ziehen kann? Undzwarfolgendermaßen:
Ich bin ganz glücklich, endlich angefangen zu haben.
Begeistert stricke und stricke ich, bis ich innerhalb einer Woche gut
zehn Zentimeter zusammen habe. (200-noch-was Maschen wohlgemerkt!).
Eines Abends stellen wir dann aber fest, dass meine Konzentration doch
ein bisschen nachgelassen hat. Der Faden ist nicht mehr so stramm
gezogen und die Maschen unregelmäßig und löchrig. Ich war wohl nicht
mehr mit dem Herzen dabei. Also, ein Entschluss innerhalb weniger
Minuten, wird die Arbeit der vergangenen Tage wieder "zerstört" und ich
muss von vorne beginnen.
Aber sollte ich
deswegen niedergeschlagen sein? Oder gar motivationslos oder abgeneigt,
nochmal von vorne zu beginnen? Okay, zugegeben, ich war's ein wenig.
Aber trotzdem habe ich wieder angefangen. Von vorne, ruhig, konzentriert
und diesmal mit dem Herzen (och, so kitschig), weil ich schließlich immer noch mein Ziel vor Augen habe. Vielleicht sind die
ersten Erfolge nicht so benebelt. Aber darauf kommts nach einiger Zeit
ja auch nicht an. Es geht darum, seine Ziele vor Augen zu haben und
nicht den Erfolgen und Glück der anderen hinterher zu jammern. Und darum,
Chancen zu ergreifen, um voran zu kommen - oder eben Maschen. Lass dich
vom Ergebnis anderer inspirieren, aber deshalb nicht entmutigen, selber Ziele zu erreichen. Sehe
zu, dass jeder Schritt, jede Masche auf ihre eigene Weise perfekt ist -
dann wird es das ganze, der Pullover, mein Jahr, ebenfalls.
So, das war das Wort zum Sonntag. Puh :)
Neben Philosophie und Weisheiten kann ich euch auch noch einen
grönländischen Film
empfehlen. D e r i s t e c h t g u t! ("The most difficult journey is
the one you must make within yourself"). Ich habe ihn übrigens auf
grönländisch (echt 'ne krasse Sprache!) mit dänischen Untertiteln
gesehen - kaum vorzustellen, wie gut er sein muss, wenn man ihn komplett
versteht... :D

Apropos Sprache: Kleine Anmerkungen zum
letzten Post, da hätte ich nämlich ein bisschen was vergessen. Färinger
sind unschlagbar in neuen Wortschöpfungen. "Problem", "Computer", ja
sogar "Handy" und "Ipad" gibts auf färöisch. Auch wird für nichts die
lateinischen Begriffe verwendet, selbst positiv ("jaliga") und negativ
("neiliga") gibts auf färöisch...

Merkwürdig finde ich auch, dass
Namen verändert werden. Zum Beispiel meine Freundin Tóra, besuche ich
sie heißt es "... hjá Tóru". Richtig verwirrend wird's dann aber erst
mit Rúna (weiblich) und Rúni (männlich), die genau gegenteilig gebeugt
werden.
Und noch eine lustige Unterhaltung. (wieder Tóra): In der
Klasse A waren die coolen, in B die lieben und in D die merkwürdigen.
Ich: Und C? T: Ja, das gibt's im Färöischen nicht. Also wird's bei der
Aufzählung einfach weggelassen. Dafür haben manche Schulen aber eine
Klasse Á ("oar").

Das war's auch im groben wieder.
Meine Güte ich schaff's aber auch echt nie, einen KURZEN Post zu
schreiben :o Schule steht noch, Zeit verfliegt (126 Tage! :o), es wird
langsam heller, der Frühling kommt, denn ich blühe auf. Glaube ich
zumindest, manchmal zwischendurch, vielleicht.
Was ich
aber noch auf jedem Fall loswerden möchte: 1.) Brüderchen, alles alles
Liebe nachträglich 2.) ein lieber Gruß geht an Omi und Opi, weil ich
weiß, dass die beiden täglich auf Neuigkeiten von ihrer Lieblingsenkelin
(tja, "verkackt" Marit :D) vom Ende der Welt warten und 3.) ganzganzganz lieben Dank für über 15000 Seitenaufrufe - hätte vor
sieben Monaten nie angenommen, dass mein Leben, die Färöer und meine
Erlebnisse so viele Menschen interessieren würden! Túsend takk!

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