Sonntag, 9. Dezember 2012

der Stille Ozean

viel Dunkelheit und noch mehr Zeit


So, irgendwie hab ich's auch inzwischen mit den Bildern wieder hingekommen, dass ich dieses Mal ein bisschen mehr etwas Ansehbares habe ;)

Ansonsten war nicht viel außergewöhnliches. Ich habe mich sehr über das Paket aus Deutschland gefreut (meine Gastfamilie auch), gestern habe ich mich mit Tóra ud Gunnvør (übrigens zwei normale Namen hier) getroffen und Herr der Ringe gesehen, als Einstimmung sozusagen. Auch sie waren sehr von meinen restlichen deutschen Süßigkeiten und dem spontan gekochten Pudding (ha, ha) angetan.

Achso, dann war ja auch noch Nikolaus. Zumindest in Deutschland. Hier wird der gutmütige Bischof nämlich (leider) nicht gefeiert, was sich irgendwie komisch angefühlt hat, am 6. ganz normal aufzustehen und nichts passiert. Andererseits ist's vielleicht auch gar nicht so schlecht - meine Schuhe hätte ich vermutlich nie sauber bekommen :D

So, was noch? Die Weihnachtsstimmung hat gestern ihren ersten kleinen Dämpfer bekommen, nachdem mir der Blick "morgens" aus dem Fenster einen grünen Garten und eine nasse Straße offenbahrt hat. Aber  nun ja, es wird sicher noch mal schneien.

Anderes Thema, das angesprochen werden könnte: Die Dunkelheit. Ja, es ist im Winter dunkler als in Deutschland, keine Frage. Aber auch ja, es wird immer jemanden nördlicher geben, der "extremeres" erlebt. Dennoch, eine kleine Umstellung ist es trotzdem. Hell wird es um neun bis halb zehn, dann ist es vom Tag abhängig, ob die Sonne sich überhaupt zeigt. Ansonsten ist es eben grau und nass und bewölkt und windig - nichts Besonderes eben. Andernfalls steht sie irgendwo ganz tief am Himmel und versteckt sich alle halbe Stunde auch gerne mal hinter den Bergen im Süden (siehe Bild rechts). Kennt ihr das Gefühl, die Abendsonne im Gesicht zu haben? Mit ihr auf Augenhöhe zu sein? Von ihr gekitzelt, ermüded, zum Lächeln gebracht werden? So ist es hier etwa immer - wenn denn dann die Sonne scheint.
Anfangen zu dämmern tut's gegen drei, manchmal auch schon früher. Ganz dunkel ist es in der Regel nach einer halben Stunde und das hält dann auch unverändert bis zum Morgen an. Aber was man nicht vergessen sollte: unabhängig von der Dunkelheit hat jeder Tag 24 Stunden, die genutzt und gelebt werden können.

Und gerade im langen, skandinavischen Winter, hat man viel Zeit. Um gegen Winterdepressionen und Müdigkeit anzukämpfen, empfielt sich lautes Musikhören, spazieren gehen, etwas unternehmen, aber auch drinnen gemütlich bei etwas Warmen zu trinken zu sitzen und einfach die Tage genießen.

Ich verbringe viel Zeit mit Stricken, Basteln, Lesen, Zeichnen, Färöisch lernen, Schule, Freunden und Nachdenken.

Was noch?  Bin ich eigentlich einsam? ich meine inmitten von 18 kleinen Inseln, mitten im Nordatlantik? Inmitten 80000 Schafen und knapp 50000 Menschen? Nein, ich glaube nicht. Ich denke, die Zahlen sind egal, solange man inmitten von etwas ist.

(Ja, man merkt, der Winter ist lang :))


Dazu auch noch ein Zitat aus meinem derzeitigen Buch von zufällig meinem Lieblingsautor:
"Isoliert bin ich ohnehin, bin es immer gewesen. Aber es kommt mir trauriger vor, in einer großen Stadt isoliert zu sein, als auf einer kleinen Insel im Stillen Ozean."
 - Jostein Gaarder aus 'der Geschichtenverkäufer'

Macht irgendwie, irgendwo Sinn, nicht wahr?

So, in diesem Sinn verabschiede ich mich, liebe Grüße aus dem Stillen Ozean und einen besinnlichen, restlichen 2. Advent! :)



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen