Sonntag, 23. Juni 2013

hoch hinaus

Mittsommer auf Färöer's höchstem Berg



Zeit für eine neue Alltagsphilosophie! Vielleicht haben ja einige von euch mitbekommen, dass gestern der 21. Juni und somit längster Tag des Jahres war. Und wenn man schon so weit im Norden ist, muss man das ja auch irgendwie würdigen - beispielsweise mit einer Wanderung am Slættaratindur (diese Idee hatten im Übrigen gut 400 Färinger) mit 881 Metern der höchste Berg auf den Färöern!

Meine Slættaratindur-Philosophie ist also nichts weiteres als ein Vergleich meiner Bergsteigerlebnisse und meiner Zeit auf den Färöern :)


Alles fängt am Fuße des Berges an, wenn alles auf mal realistisch, in Sichtweite ist. Nein, im Grunde begann alles schon viel früher, auf dem Weg oder gar beim Packen. Richtig beurteilen kann ich es nicht mehr, dafür stecke ich schon viel zu weit mittendrin.

Die ersten Schritte sind aufregend, weil alles so neu ist und die Aussichten immer atemberaubender werden. Aber zwischen den Glücksmomenten fängt es an anstrengend zu werden. Jeder Schritt ist eine neue Herausforderung, der Gipfel im Nebel umhüllt. Ich stelle mir vor, wie gerne ich jetzt einfach zu Hause sein würde. Diese ganzen Unangnehmlichkeiten nicht auf mich genommen hätte. Aber vom Nichtstun kann man nun mal nichts erreichen.

Also entscheide ich mich weiterzugehen. Diese Momente sind vermutlich die schwersten. Aber ehe man sich versieht, gewöhnt man sich an die Umstände, die Füße passen sich dem ungewohnten Boden an, man hat sich warmgelaufen und es wird einfacher.

Doch obwohl der Gipfel immer näher kommt, ist man iständig zwischen den beiden Welten hingerissen. Dort unten wartet eine vertraute, wunderbare Welt. Man erwischt sich so oft dabei sich zu wünschen, dass die Zurückgelassenen einen gerade jetzt sehen könnten.

Kraft erfährt man nicht durch Pausen und Wasser, sondern von den Menschen, die einen ermutigen, anlächeln, auf einen warten. Und irgendwann ist man plötzlich ein Teil dieser Gruppe, redet mit Fremden, ist weniger alleine.


Zwischendurch gibt es immer mal wieder tückische Momente: glatte Steine, riskante Kletterpartien. Doch ebenso wunderschöne, an die man sich lernt festzuhalten. Und gerade diese bringen einen letzendlich dorthin, wovon man immer geträumt hat - wenn nicht sogar noch höher hinaus.


Auf dem Gipfel ist es wunderbar. Lachende Menschen, alte Bekannte. Grind und Spik (getrocknetes Walfett), Gesang und Kettentänze. Aber das schönste ist nicht die Aussicht oder die Mitternachtssonne, es ist das Gefühl, nein Gewissen, ein Teil von alldem zu sein.

Doch nichts ist ewig. Gerade bei den ersten Schritten fällt es schwer loszulassen. Und es tut (in den Knien) weh. Aber gleichzeitig ist man dieses Mal besser vorbereitet, dass ich sogar imstande bin, den Kommenden ermutigend zuzulächeln. Und selbst auf den letzten Metern kann man noch tolle Erfahrungen sammeln.






Und ehe man sich versieht, sitzt man wieder im Wagen, wenn auch diesmal als ein anderer Mensch. Zwischen hier und jetzt, benebelt und wehmütig über die intensive Zeit und zugleich voller Vorfreude auf die Menschen, die zu Hause auf einen warten. Der Gipfel und der gesamte Weg bleiben ein Traum, wenn auch ein wahrgewordener. Und es fällt nicht schwer (noch immer bei Tageslicht) lächelnd einzuschlafen :)

5 Kommentare:

  1. Na, schon gepackt um vom Gipfel wieder zurück auf die Erde zu kommen? Omi

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    1. Bin dabei - jedenfalls sollte ich das :D (aus)sortiert habe ich aber auf jeden Fall schon, das große Einpacken fängt aber erst Morgen an :)

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  2. Oh, sind das schöne Bilder, Worte u. Erfahrungen!
    Ich bin fast ein bisschen neidisch ;-)
    Gibt es auf den Färöer eigentlich Stellen für Au-Pair-Großmütter?! Meine Töchter sind bald groß ;-)
    Michaela

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    1. Takk fyri tað! :)
      also ich muss gestehen, dass ich hier noch nie von einem Au Pair gehört habe. Meine Gastmutter meinte, dass das wohl früher recht üblich gewesen wäre, inzwischen aber fast "ausgestorben".
      Schade eigentlich, das wäre ja auch noch eine Möglichkeit für mich:)

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    2. Dann sollten wir das Au Pair dort schnell wieder einführen ;-)
      Ich habe gerade gelesen, dass Du den letzten Post von den Färöern geschrieben hast. Ich werde Deine Berichte vermissen! Danke!
      Aber, hier liegen die wenigen verfügbaren Reiseführer und wir hegen die große Hoffnung, dass wir nächstes Jahr auf diese wundervollen Inseln reisen werden :-)
      Ich hoffe, dass Du gut in Deutschland wieder ankommen wirst! Das wird bestimmt ein kleiner Kulturschock. Alles Gute!
      Michaela

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