Sonntag, 7. Oktober 2012

Der Lauf des Lebens

Wie das Fleisch auf den Teller kommt

Eigentlich würde ich gerne von meiner gesamten Woche berichten, die doch irgendwie ganz nett war, aber ich möchte es hier nicht übertreiben und außerdem habe ich auch gar keine Lust, alles aufzuschreiben, deshalb beschränke ich mich's auf Donnerstag + Wochenende ;) kleine Anmerkung: empfindlichere Menschen sollten sich vielleicht nur die ersten Bilder angucken!

wegen Überfüllung geschlossen. Haha.
Donnerstag war ich eigentlich den ganzen Tag unterwegs. Mein Lehrer hat mir erlaubt, dass ich ein paar Stunden "schwänze" damit ich mit meiner Gastmutter nach Leynar fahren konnte, wo ein paar Männer (darunter mein Gastvater) die Schafe aus den Bergen eingeholt haben, falls man das so sagen kann. Wir haben's uns aber nur angeguckt und Fotos gemacht. Und es war nass, so nass!

die Kalorienbombe ist auch noch zwischendurch eingeschlagen
Freitag hatte ich nur kurz Schule, wir waren in dem (einzigen) Einkaufszentrum und haben gezeichnet, weil's draußen geregnet hat, anschließend hatte ich Färöischunterricht und weil ich recht früh nach Hause war und nichts zu tun hatte, bin ich zu meiner Gasttante und ihrer Familie gegangen, die zwei Straßen weiter ein Haus gekauft haben, das sie gerade einzugsbereit renovieren. Ich habe also die Badezimmermöbel und die Dusche gestrichen. War ganz lustig, insbesondere als meine Gastcousins (5&4) angefangen haben, auf mich einzuquaseln :)

schätze, gutes Timing ;)
Station 1: Warten, warten, warten
Station 2: geköpft & gefußt
Füße, Füße, Füße!
Station 3: aus Knuddel mach Nackedei!
Felle, Felle, Felle!
Samstag war ich erst ein Handballspiel meiner Gastcousine (13) angucken und dann mit ihr und ihren beiden älteren Geschwistern (17 & 20) wieder nach Leynar gefahren. Dort wurden nämlich die Schafe, die meinem Onkel und ihrem Vater gehören, geschlachtet. Das war auf jeden Fall eine besondere Erfahrung! Mich hat vor allem die einstudierte Reihenfolge beeindruckt, erläutert auf den Bildern :) Ungefähr 10, 12 Männer haben dabei geholfen, hatten unglaublich Spaß dabei (was ich immer noch nicht nachvollziehen kann...) und wir Mädchen haben die meiste Zeit oben gesessen, gekocht, Memorie mit färöischen Kirchen gespielt (was unglaublich schwer war, weil alle nahezu gleich aussehen! :o) und schließlich mit allen Abendgegessen, nachdem die etwa 80 (?) auserwählten Lämmer geschlachtet wurden. Es gab Kartoffeln (wie fast immer), dazu Walsteak und -fett. Zum Nachtisch dann Pfannkuchen, was eine Art Tradition zu sein scheint. Irgendwie war das total schön, weil alle so gut gelaunt wurden, es gab mehrere Ansprachen und Reden und jede Menge Bedankungen. Die Farm ist seit übrigens 1580 (wenn ich mich recht erinnere) im Familienbesitz, geht jedoch nächstes Jahr in andere Hände über, was irgendwie etwas traurig ist. Aber das ist der Lauf des Lebens eben - dasselbe mit den Schafen. :)







Magenentleerung...

all die 'leckeren'...


... und ekligen Innereien



Die Mägen (?) wurden gesäubert, was echt einer der mitunter ekligsten Anblicke war, und mit Blut gefüllt - färöische Spezialität anscheinend :o


Es wird übrigens nahezu das gesamte Schaf irgendwie verwendet, was ich auch teilweise schon beim Essen gemerkt habe ;)
kühlen Kopf bewahren - für manche in dieser Situation einfacherer, als andere :D
Schafskopf.

Übrigens auch die 'Auflösung': das Abendessen letzte Woche war Schafskopf :)
großes grünes Haus unten: die 'Schlachterei'
oben: Wohnhaus, wo wir die meiste Zeit verbracht haben
Scheune, wo das fertige Fleisch hängt
draußen: lagerung von den Fellen und Innereien.

natürlich waren diese ganzen Anblicke nicht nur für mich ungewohnt, sondern auch ein Stück weit schockierend. Aber ich versuche einfach nur, bestmöglich die Kultur kennenzulernen und zu verstehen, in der ich unbedingt mein Auslandsjahr machen wollte. Und natürlich macht es einen auch irgendwie nachdenklich über Leben und Tod und die Welt und so, aber andererseits denke ich, dass es den Schafen hier wenigstens vorher gut ging; sie haben ihr ganzes Leben draußen in einem weiten, unberührten Gelände verbracht. Und das tröstet dann doch irgendwie im Vergleich zu all den Nutztieren, die für den täglichen Verzehr in riesige, unlebenswürdige (ist das ein Wort?) Farmen gezüchtet werden ...


Sonntag bzw. heute dachte ich, ich hätte einen entspannten Tag. Dann war zum Frühstück aber noch ein anderer Cousin da, eine Tante aus Dänemark war mit ihren Zwillingen (2) auf den Färöern zu besuch und hat Geburtstag gefeiert, anschließend gab's noch ein Jazz-Konzert und anschließend eine Konfirmationsfeier. Und im Gegensatz zu mir wissen die hier auch, wie man Kuchen macht. Folgende Woche wird radikal gefastet!

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