Liebe Bloggemeinschaft,
vielleicht hat's der Ein oder Andere mitbekommen, aber hier noch einmal offiziell: Ich war wieder da. Zuhause. Färöer.
Es ist viel passiert. Es sind schließlich mehr als zwei Jahre vergangen seit ich die Färöer verlassen habe. Seit mein Jahr als Austauschschülerin vorbei ist. In der Zwischenzeit habe ich mein Abi gemacht - das hat wohl den größten Teil meiner Zeit eingefordert. Doch trotz meines durchaus deutschen Alltages habe ich es geschafft, dass die Färöer noch immer ein aktiver Teil von mir sind. Sei es in meiner Facharbeit in der 11. Klasse (Fach: Erdkunde, Thema: Das Tourismuspotenzial der Färöer hinsichtlich der Entwicklung und Nachhaltigkeit) oder als AFS-Betreuerin für die Nordeuropa-Vorbereitung, also für alle zukünftigen Austauschschüler*innen, die das Glück haben in eines der nordischen Länder zu gehen.
(Vorwarnung: Es wird lang!)
Auf dem 'Land'weg auf die Färöer
Wir haben kein Auto. Meine Mutter und ich. Das ist auch nicht schlimm, weil wir das bei uns im gut vernetzen Rheinland einfach nicht brauchen. Normalerweise fahren wir mit dem Fahrrad - aber auf die Färöer? So sportlich sind wir dann doch nicht (ganz zu schweigen von den dafür notwendigen Urlaubstagen). Aber trotzdem, meine Mutter und ich haben uns irgendwie in den Kopf gesetzt, nicht fliegen zu wollen. Das hat zwei Hauptgründe:
- wir mögen lange Anreisen. Heutzutage ist alles so schnell, so stressig. Es muss jetzt sofort geschehen. Man steigt in ein Flugzeug und ist dann zwei Stunden später an einem völlig neuen Ort - der Kopf aber häufig noch nicht. Aber wenn man langsam fährt, dafür vielleicht umständlich, wenn man sich Zeit lässt - dann kommt man auch an. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
- Wir mögen Schiffe.
Also schnell beschlossene Sache: der Fernbus fährt von Köln nach Aalborg (Dänemark). Ja, man hätte auch mit dem Zug fahren können, aber dann wären wir merkwürdigerweise immer über Berlin und Kopenhagen geleitet worden. So umständlich wollten wir dann doch nicht fahren. Daher: 19. Juli, 6 Uhr morgens geht's los. 15 Stunden später erreichen wir Aalborg. Es regnet, wir finden unsere Zimmer, trinken einen heißen Tee und sind glücklich.


Der nächste Tag: wir erkunden Aalborg. Bei Sonnenschein. Eine nette Stadt. Dänisch, authentisch.
Am Tag darauf geht's mit dem Zug weiter nach Hirtshals. Umsteigen in die Bimmelbahn. Es regnet wieder. Ein Bus bringt uns, unsere Taschen und zwei Rucksäcke (eigentlich ganz schön viel Gepäck für zwei Wochen, wenn man drüber nachdenkt) direkt zum Fährhafen. Wir warten, während die Fähre nach Stavanger ablegt und wenig später die Norröna einfährt. Wir kommen mit einigen anderen Passagieren ins Gespräch. Viele kommen aus Deutschland, viele wollen mit ihren robusten Geländewagen nach Island. Ich schwärme von den Färöern, gebe Reisetipps für die, die es hören wollen und für die, die tatsächlich auch auf die Färöer fahren.
An Bord lesen wir hauptsächlich. Essen, leihen uns das Quirkle-Spiel (sehr empfehlenswert!) der Nachbarn aus, sonnen uns, genießen die Weiten des Meeres, machen Fotos (ich), kommen an. Ganz langsam, ein bisschen umständlich. Aber als der erste Sula (Basstöpel) an unserem Fenster vorbeigleitet, weiß ich, dass es nicht mehr weit ist. Und dass ich bereit bin. Dass ich hier bin. Vollständig, als Ganzes. Mit Kopf.
"Eg biði teg. Vak nú meg. Leið nú meg. Heim til tín."- Jón Aldara / Vráin, Hamferð
deutsch: "Ich bitte dich. Wecke jetzt mich. Leite jetzt mich. Nach Hause zu dir."
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